Bücher in Supermärkten: Interview mit Kai Gellert

"Umsatzschub bei allen Büchern"

In Supermärkten läuft der Betrieb derzeit auf Hochtouren. Gekauft werden aber nicht nur Lebensmittel, sondern auch Bücher verzeichnen eine deutlich höhere Nachfrage als sonst. Kai Gellert, Geschäftsführer von Buchpartner, der mit seinem Unternehmen den Lebensmitteleinzelhandel beliefert, über Rackjobbing in Zeiten geschlossener Buchhandlungen. INTERVIEW: CHRISTINA SCHULTE

Buchpartner-Verkaufsfläche im Lebensmitteleinzelhandel

Buchpartner-Verkaufsfläche im Lebensmitteleinzelhandel © Buchpartner

Wie hat sich Ihr Geschäft in den Nebenmärkten in den vergangenen Wochen verändert?
Wir haben einen ersten, sehr deutlichen Umsatzschub festgestellt, als die Schulen und Kitas geschlossen wurden. An den Folgetagen gab es einen hohen Anstieg bei Büchern, die sich mit der Beschäftigung von Kindern befassen, bei Schulbüchern und Lernhilfen. Dabei profitieren wir natürlich von der deutlich erhöhten Frequenz im Lebensmitteleinzelhandel verbunden mit Impulskäufen und den eingeschränkten Alternativen.

Kai Gellert

Kai Gellert © Buchpartner

Welche Titel können am meisten dazugewinnen?
Die Abverkäufe bei den Top 10-Bestsellern entwickeln sich besonders gut, ebenso Kinderbücher sowie Mal- und Bastelbücher. Aber die positive Tendenz ist über das gesamte Angebot hinweg festzustellen.

Greifen Kunden und Kundinnen eher zu günstigen Titeln?
Nein. Wir stellen bei den Preisen sogar einen leichten Anstieg fest und dies nicht erst seit der Corona-Krise. Qualität wird geschätzt und dafür geben die Kunden gern Geld aus. Zum Beispiel werden wertigere Lernhilfen bevorzugt.

Sind Sie auf die erhöhte Nachfrage vorbereitet?
Wir haben Sorge getragen, dass wir ausreichend lieferfähig sind und verfügen über eine hohe Bevorratung. Bei dem einen oder anderen Verlag haben wir auch noch nachgeordert, um einen Puffer zu haben.

Ist und bleibt Ihre Lieferkette stabil?
Ja, wir haben unsere eigene, auf den Lebensmitteleinzelhandel spezialisierte Logistik in Darmstadt und verfügen über ein 15.000 Quadratmeter großes Hochregallager. Unsere über 40 Außendienstmitarbeiter sowie 600 Servicekräfte sind täglich in ganz Deutschland unterwegs, um die Regale wieder zu füllen. Vor allem unsere Mitarbeiter im Außendienst und in der Logistik leisten jetzt hervorragende Arbeit. Wir verzeichnen zwar eine sehr hohe Auslastung, sind aber aktuell voll lieferfähig. Allerdings merken wir, dass es bei Spediteuren und Paketdienstleistern teilweise zu Verzögerungen kommen kann. Aber mit diesem Problem sind wir bekanntermaßen nicht allein.

Werden Sie zum Ostergeschäft besondere Aktionen anbieten?
Unsere Osteraktionen finden wie langfristig vorgeplant ohne Abstriche statt. Die Vorlaufzeit im Lebensmitteleinzelhandel für Aktionen beträgt rund sechs Monate. Wir machen zu Ostern das, was wir regelmäßig tun, dafür wurden schon frühzeitig die sehr knappen Plätze gemeinsam mit den Partnern im Lebensmitteleinzelhandel definiert.

Wie lange werden Sie noch von der erhöhten Büchernachfrage im Lebensmitteleinzelhandel profitieren?
Das lässt sich jetzt nicht absehen. Es wird eine Zeit danach geben und alles wird sich glätten und normalisieren. Dafür drücke ich uns allen die Daumen.

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4 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Walter König

    Walter König

    Mein alter Wirtschaftslehrer hätte jetzt gesagt:
    "Buchhändler, räumt eure Bücher raus und stellt Dosen, Toilettenpapier, Mehl, Zucker, usw. in eure Läden, dann dürft ihr wieder öffnen und der Rubel rollt".

    Aber so einfach ist es eben nicht, wobei ich nicht verstehe, daß Kioske, die nicht eine einzige Zeitung, sondern nur Zigaretten, Alkoholika und Süßkram anbieten öffnen dürfen, während z.B. hier in Bremen die Copyshops schließen mußten.

    Nur in Berlin dürfen die Buchhandlungen öffnen.

  • Reisender

    Reisender

    Ich wäre dafür, die entsprechenden Verordnungen ggf. jrusitsich prüfen zu lassen. Hier im Ort wurde der Zeitschriftenladen behördlich geschlossen, weil er es gewagt hat, neben der Tageszeitung auch den ein oder anderen Radiergummi zu verkaufen. Bei "Drogerie Müller" und "Albrecht Discount" gehen Schreibwaren aber weiterhin wie selbstverständlich über die Theke. In dieser Form ist das ein Mittelstandsvernichtungsprogramm...

  • Christian Reichenbach

    Christian Reichenbach

    Super Story - jetzt muss Buchpartner nur noch unsere Bücher in die Supermärkte legen, und dann ist der Verlag über den Berg. Wieviel muss man da eigentlich, zusätzlich zum Höchstrabatt, an Regalplatzmiete bezahlen?

  • Volker Gollenia

    Volker Gollenia

    Man sollte einen Klopapier/Nudeln/Mehl-Store eröffnen - dann könnte man Bücher quasi nebenher verkaufen...

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