Gute Unterhaltung mit Niveau entsteht, wenn Qualität, Abwechslung und Originalität buchstäblich eine Liaison eingehen. Mit professionellen Partnern und einem variantenreichen Programm gelingt es dann spielend, zum 13. Mal an einem Wintersonntag die literarischen Akteure Frankfurts mit verheißungsvollen Frühjahrsbüchern und einem interessierten Publikum zusammenzubringen. Das Publikum darf sich nicht langweilen – gegen Eintönigkeit ist es immer schon das beste Rezept, verschiedenartige, aussagestarke Autoren einzuladen, die die ganze Breite zeitgenössischer Literatur widerspiegeln, so etwa am 21. Februar literarisches Debüt (Anna Galkina, Annette Pussert und Florian Wacker) und historischen Roman (Peter Prange, David Adolph Zunz), Krimi (Andreas Schäfer) und Graphic Novel (Sebastian Lörscher) in attraktivem Wechsel zu kombinieren.
Frankfurt hat mit Open Books und Literatur im Römer während der Buchmesse, dem im Wechsel ausgerichteten Literaturfest literaTurm und dem Lyrikfestival sowie mit der Reihe Frankfurt liest ein Buch – um nur einige zu nennen – das ganze Jahr hindurch eine Reihe hochkarätiger Lesungen zu bieten, die das aufgeschlossene Publikum im Rhein-Main-Gebiet binden. Diese Formate finden an unterschiedlichen Orten statt, während sich das literarische Leben der Stadt unter einem Dach darstellt, wenn man alljährlich einmal im Haus am Dom für einen langen Tag zusammenkommt. Der Lange Tag der Bücher bündelt Interessen und Kompetenzen und präsentiert, im Halbjahresabstand zur Internationalen Buchmesse, wichtige Neuerscheinungen der Frankfurter Publikumsverlage. Bei diesem deutschlandweit einmaligen Format moderieren ehrenamtlich die Literaturveranstalter der Stadt. Langjährige Förderer sind etwa das städtische Kulturamt und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
In Frankfurt gibt es programmstarke Verlage mit Verlegerpersönlichkeiten wie KD Wolff, Joachim Unseld oder Rainer Weiss. Der Lange Tag der Bücher ist als Plattform des Austauschs auch deshalb so attraktiv, weil die Verleger selbst dahinkommen, ihre Autoren befragen, zum Gespräch bereit stehen, und so dokumentieren, dass in der Metropole am Main ein offenes, vitales literarisches Leben existiert. Wenn ein Lektor mit auf der Bühne sitzt, lassen sich selten gehörte und überraschende Geschichten über die Entstehung von Büchern erzählen. Daneben gibt es bibliophil orientierte Verlage wie die Edition Büchergilde mit wunderbar ausgestatteten Büchern und bemerkenswerten Illustrationen. Weiter gibt es in Frankfurt kleine, feine Verlage wie den Axel Dielmann Verlag, der kürzlich seinen 20. Geburtstag feierte, oder den Verlag der Autoren, der im Windschatten der 68er-Revolte aus einem Aufstand der Suhrkamp-Lektoren gegen Siegfried Unseld hervorgegangen ist. Last but not least, beide mit enormer Strahlkraft, S. Fischer mit einem herausragenden Programm der Gegenwartsliteratur und Klassikern sowie KD Wolffs Stroemfeld Verlag mit Ausgaben unserer Säulenheiligen Hölderlin, Nietzsche und Kafka. Abwechslung meint allerdings nicht nur Variationen im Programm, sondern auch den Wechsel der beteiligten Verlage. Suhrkamp, Eichborn, Campus und Moritz beispielsweise waren bereits dabei, Neugründungen wie Henrich Editionen und Michason & May kamen später hinzu.
Der Lange Tag der Bücher ist ein Tag zum Verweilen und zum Wiederkommen; manche Gäste machen sich einen genauen Plan und verbinden etwa den Besuch von vier ausgewählten Lesungen mit einem Spaziergang am Main, einem Museums- und Kaffeehausbesuch. So herrscht den ganzen Tag über ein anregendes Kommen und Gehen, und unschwer kommt man mit den anwesenden Literaturmenschen ins Gespräch. Auf einem Lesebalkon laden weitere Frühjahrsbücher der beteiligten Verlage zum Kennenlernen ein. Und die ideale Abrundung liefern ein großer Büchertisch und ein Bouquinistenmarkt von 11 – 18 Uhr im Foyer des Hauses am Dom. Das genaue Programm findet sich auf der Seite www.kultur.frankfurt.de, unter „Freie Literaturveranstalter".
Florian Koch betreibt die in Frankfurt Sachsenhausen sitzende Agentur Kultur am Main. Hier organisiert er den Langen Tag der Bücher und das alle zwei Jahre vom Kulturamt realisierte Literaturfest der Stadt Frankfurt literaTurm; er plant und moderiert Lesungen in der Fabrik Sachsenhausen und kuratiert Kunstausstellungen. Mit vier Freunden gründete er vor 18 Jahren den Nonbook Verlag MeterMorphosen, dessen Geschäftsführer er ist. Dort entstehen doppelsinnige Objekte wie der Historische Zollstock, das Memospiel Gemischtes Doppel oder der Moral-o-mat.