Preis der Leipziger Buchmesse

Nachmittag der Independents

17. März 2016
Redaktion Börsenblatt
Beim Preis der Leipziger Buchmesse schlug heute die Stunde der Independents: Zwei Auszeichnungen gingen an einen Autor und eine Übersetzerin des Schöffling Verlags, eine weitere an einen Autor von Matthes & Seitz.

Prämiert wurden Guntram Vespers Roman „Frohburg“ in der Kategorie Belletristik und Brigitte Döberts Übersetzung von Bora Cosics Roman „Die Tutoren“ in der Kategorie Übersetzung (beide Schöffling) sowie Jürgen Goldstein für sein Buch „Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt“ in der Kategorie Sachbuch / Essayistik (Matthes & Seitz). 

Die Dramaturgie der auf die Minute getakteten Preisvergabe war perspektivisch auf die Kategorie Belletristik angelegt, die dann im dritten Akt zum Zuge kam. Im ersten und zweiten Teil der Verleihung wurden die Preisträger für die Kategorie Übersetzung und für die Kategorie Sachbuch / Essayistik vorgestellt.

In einem kurzen Prolog diagnostizierte Maidt-Zinke die Situation der Literaturkritik und kam zu einem ihrer Meinung nach erschreckenden Befund: die Disziplin, eine Errungenschaft der Aufklärung, sei durch Internet und Zeitungssterben in ihrem Bestand bedroht, der Kritiker selbst im Ungeist des Neoliberalismus gefangen, der ihn zum Kaufberater oder Trendscout degradiere.

Der Akt der Preisbekanntgabe und –verleihung selbst näherte sich inszenatorisch den Vergabezeremonien des Deutschen Filmpreises oder anderer Trophäen. Zu jeder Kategorie wurde zuerst ein Trailer mit Statements eingespielt, die Präsentationen der Nominierten und die anschließenden Laudationes waren minutiös vorbereitet und ausformuliert. Nur die Preisträger mussten improvisieren: „Herzlichen Dank. Mehr kann ich nicht sagen“, sagte Guntram Vesper nach der Entgegennahme der Preisurkunde. Gesprächiger gab sich Jürgen Goldstein, der bekannte: „Ich weiß nicht, wie man ein gutes Buch schreibt.“ Auf jeden Fall brauche er dazu eine „Kanne Kaffee“ und einen „ausgeschlafenen Kopf“ – und sei froh, einen so inspirierten Verleger wie Andreas Rötzer zu haben. Und dann Förster! „Förster war ein wunderbarer Prosaautor, dem ich gern mal die Hand geschüttelt hätte.“