"Das kann ja wohl nicht wahr sein – dass die Empfindlichkeit eines Halbdiktators, die dieser in der Türkei zur Staatsraison erklärt, zu diplomatischem Einknicken und Repressionen bei uns führt. Ich vermute mal, dass Kim Jong-un in Nordkorea bei noch ganz anderen Gedichten ausflippt. Ist uns das nur deswegen egal, weil er uns keine Flüchtlinge vom Hals hält?", so Helge Malchow in seinem Blog Aus dem Notizbuch des Verlegers. Die Freiheit der Kunst, inklusive der Satire, sei eine Grundlage unserer Verfassung. Jeder denkende Mensch habe erfassen können, dass Jan Böhmermanns Schmähgedicht mit einer Vorrede verknüpft gewesen sei, die das folgende Gedicht in imaginäre Anführungszeichen gesetzt habe. Malchow: "Sollen 70 Jahre Literaturunterricht von der Grundschule bis zum Abitur umsonst gewesen sein? Es geht nicht um ein geschmackloses Gedicht, sondern um die Vorführung eines geschmacklosen Gedichts, um die Grenzen von Satire auszuloten. Das Experiment ist gelungen; die Grenzen scheinen identisch zu sein mit den Staatsgrenzen der Türkei. Aber Erdoğan-Versteher bei uns sind zuviel des Guten".
"Je suis Jan!" endet Malchow seine Einschätzung der Böhmermann-Affäre in seinem Verlegerblog. Böhmermann hatte in seiner Sendung „NEO Magazin Royale“ vor anderthalb Wochen ein Gedicht namens "Schmähkritik" über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan präsentiert – satirisch eingebettet hatte er vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Anlass war Erdogans Protest gegen einen Satire-Beitrag des NDR-Fernsehmagazins "extra 3". Sollte es zu einem Verfahren kommen, drohen dem Satiriker wegen der Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts theoretisch bis zu drei Jahre Haft.
Bei Kiepenheuer & Witsch erschien Ende 2015 eine Neuauflage von Jan Böhmermanns Erklärbuch "Alles, alles über Deutschland".
juristisch völlig abwegig ist die Meinung, einer Strafverfolgung hülfe ab ab, wenn vorausgeschickt wird, man dürfe nicht tun, was man sich gerade zu tun anschickt. Eine vorangehende Modalisierung vollendeter strafbarer Handlung zur Aussetzung der Sanktionierung, ist dem deutschen Recht unbekannt und eo ipso völlig abwegig
Was spricht dagegen, sich auf die Einschätzung deutscher Richter zu verlassen ? Dabei dürfen wir durchaus annehmen, daß deren Vielzahl keineswegs mit dem türkischen Präsidenten sympathisiert.
Besonders nachdenklich mich allerdings Ihr "Je suis Jan!". Sie reihen sich damit leider in die ein, die den Solidaritätsaudruck gegenüber den Opfern von Charlie Hebdo banalisieren und ihn der Beliebigkeit preisgeben. Den Bogen von Jan Böhmermann nach Paris vermag ich nicht zu schlagen.
meine volle Unterstützung haben Sie, hat v.a. Jan Böhmermann, auch wenn ich nicht 100% konform mit ihm gehe. Für die Pressefreiheit ginge ich auf die Straße und wünsche mir einen wirklich weitreichenden und intensiven Protest PRO Freiheit und gegen Erdogan. Mit Diktatur kennen wir uns aus. Und können nur hoffen, dass die demokratischen Kräfte in der Türkei wieder auf die Beine kommen.
Ich wünsche mir viel mehr Widerstand hier in Deutschland, auch gegen Pegida, AfD und alle, die rechts marschieren. Eigentlich müssten sich die Gegner gegen Rechts in ganz Europa zusammenfinden und Politik nicht nur den PolitikerInnen überlassen. Die rechte Bewegung betrifft uns alle!
Heute "bin ich nicht nur Jan", sondern ebenso gilt: "Ich bin das Volk!"
Mit energiereichen Grüßen, Heike Brillmann-Ede
All diejenigen die unter vorgehaltener Hand die heute gefällte Entscheidung unserer Bundeskanzlerin nicht gutheißen, sollten dazu stehen.
Denn wir sind das Volk wir sind die Entscheidung, wir sind Deutsche. Deshalb Je suis Jan Böhmermann