Aufbau Verlag

»Dem Verleger geht es darum, die Nachfolge zu sichern«

2. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
Nach den Gerüchten: Aufbau-Marketing-Geschäftsführer Tom Erben im Interview mit boersenblatt.net über die Neuausrichtung der Aufbau-Verlagsgruppe, Kündigungen und die Suche nach strategischen Partnern.
Wie weit sind die Gespräche mit potenziellen Käufern und Kooperationspartnern gediehen? Erben: Um es ganz deutlich zu sagen: Es geht hier nicht um einen Verlagsverkauf, sondern um die strategische Ausrichtung der Verlagsgruppe. Darüber führen wir konkrete Gespräche. Wir sind aber in einer besseren Position als etwa im Herbst vergangenen Jahres, wo wir uns etwa vom Messeschwerpunkt Indien mehr versprochen haben. 25 Prozent Umsatzplus zum Vorjahr bis 30.Juni 2007 zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Man muss das auch im Kontext sehen: Wir sind seit zwei Jahren in einem Umstrukturierungsprozess, haben Zuständigkeiten und Abläufe verändert, Programmbereiche neu definiert. Wir machen 20 Prozent weniger Titel, hauptsächlich im Hardcover. Statt 70 hat die Gruppe nur noch 60 Mitarbeiter, da wir im Wesentlichen Stellen nicht neu besetzt haben. Von einem Abbau im großen Stil kann nicht die Rede sein. Wie sieht also die Zukunft des Verlags aus? > Erben: Dem Verleger geht es nicht um einen Verkauf, sondern darum, die Nachfolge zu sichern und dem Verlag auch weiterhin eine selbständige Perspektive zu geben. Der Verlag ist über 60 Jahre alt, da denkt der Verleger nicht in Abschnitten von zwei Jahren, sondern in größeren Zeiträumen. Dafür kann es viele kreative Lösungen geben, und es ist nicht auszuschließen, dass ein Partner Anteile übernimmt. Was die unmittelbare Zukunft angeht, sind wir nach dem Rückenwind aus dem Frühjahr sehr optimistisch. Die Vorbestellzahlen unserer Spitzentitel im Herbst geben dazu allen Anlass. Mit wem wurden Gespräche geführt? Erben: Es waren und sind potenzielle Partner, die zu diesem Haus passen. Wie gesagt: Es wird keine Übernahme geben. Im Rahmen der Umstrukturierung haben wir uns hingegen Gedanken über weitere Partnerschaften wie der erfolgreichen Vertriebskooperation mit Boje/Fackelträger gemacht. Welche Mitarbeiter müssen gehen? Erben: Das kann ich nicht sagen, wir haben gegenseitiges Stillschweigen vereinbart. Wir sahen uns gezwungen, vier betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Die Struktur der Verlagsgruppe wird aber unbeschädigt bleiben.