Klaus-Dieter Lehmann ist Nachfolger Jutta Limbachs als Präsident des Goethe-Instituts. Eckhard Fuhr schreibt über Lehmann in der "WELT":
Lehmann, der im 68. Lebensjahr vor Tatendrang noch zu bersten scheint, wird der Schock plötzlichen Bedeutungsverlusts erspart. Und die 73-jährige ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts wird vorzeitig die Bürde eines Ehrenamtes los, das in Wirklichkeit ein Fulltimejob ist und durchaus nicht nur angenehme Repräsentationstermine bereithält.... Lehmann tritt sein Amt (also) unter alles in allem günstigen Vorzeichen an. Der "Aufwind" und die Trendwende ersparen ihm allerdings nicht, die unter den Mitarbeitern höchst unbeliebte innere Reform des Instituts durchzusetzen. Nach einem McKinsey-Gutachten sollen in der Münchner Zentrale 50 von rund 280 Stellen abgebaut werden - sozialverträglich, wie es so schön heißt. Mit dem Stellenabbau ist ein Bedeutungsverlust der Zentrale verbunden. Künftig sollen die 142 Auslandsinstitute programmatisch und finanziell größere Selbstständigkeit genießen. Niemand zweifelt daran, dass Klaus-Dieter Lehmann für seine neue Aufgabe die nötigen Voraussetzungen mitbringt. Er gilt allgemein als Idealbesetzung. Der Mathematiker und Physiker war Direktor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt a.M. und führte sie nach der Wiedervereinigung mit der Deutschen Bücherei, ihrem ostdeutschen Pendant, zusammen. Seit 1999 steuerte Lehmann die Preußenstiftung, die größte Kultureinrichtung Europas. Das erforderte programmatische Kraft, organisatorisches Geschick und politisches Gespür. Er brachte den Masterplan für die Wiederherstellung der Museumsinsel auf den Weg und trieb ihn entschieden voran. Auch die kulturpolitischen Grundlagen für das Humboldt-Forum am Schlossplatz, das zusammen mit der Museumsinsel Berlins Mitte zu einem Weltort der Kultur machen wird, bereitete er mit vor. Seinem Nachfolger Hermann Parzinger übergibt er ein gut bestelltes Haus. Klaus-Dieter Lehmann ist als Präsident der Preußenstiftung zu einem kulturpolitischen Schwergewicht geworden. Das ist eine gute Voraussetzung dafür, dass sich der Aufwind für "Goethe" verstetigt und verstärkt.
"Drehbücher der Zukunft" - Christian Kortmann hat sich für die "Süddeutschen Zeitung" Lyrikclips angesehen:
Wenn bei zeitgenössischer Lyrik die Einschaltquote gemessen würde, läge ein Werk mit mehr als 400000 Lesern wohl mit weitem Abstand an der Spitze: Das Gedicht "Forgetfulness" des Amerikaners Billy Collins hat das Publikum nicht über eine der meist nur in dreistelliger Auflagenhöhe angesiedelten Lyrikpublikationen erreicht, sondern durch einen Trickfilm beim Internetvideo-Portal YouTube, in dem der Autor sein Gedicht rezitiert. Verfilmte Gedichte, "animated poetry", sind wohl kaum das nächste große Ding im Netz, zeigen aber, dass im Internet für jeden Geschmack etwas dabei ist - wenn man Zeit zum Suchen hat. Man muss nämlich recht lange zwischen den Millionen von Amateurfilmen und Fernsehausschnitten wühlen, bis man auf sehenswerte Lyrikclips stößt, die hier als neues Genre unter etlichen anderen experimentell erprobt werden. Doch die, die man schließlich findet, sind mitunter so gut, dass sie die Lyrikrezeption völlig verändern könnten, so wie in den 1980ern Videoclips die Wahrnehmung und Vermarktung von Popmusik revolutionierten: Lyrik ist im Clip nicht länger "nur" auf Worte angewiesen, sondern wirkt wie Kino durch Sound, Stimme und Bilder. Es ist ein nur auf den ersten Blick überraschendes Aufeinandertreffen von einem populären jungen Medium und poetischer Schreibkunst, die als letzter Hort des Numinosen gilt: Wer Gedichte schreibt, weiß, was Transzendenz ist, der Dichter ist nicht nur Medienarbeiter, sondern Medium.