Zwischen Pop und Propaganda – das Buch in China. Die Anfänge

30. Oktober 2007
Redaktion Börsenblatt
Bücher haben in China eine lange Tradition. Experten schätzen die Anfänge erster literarischer Erzeugnisse in China auf ein Alter von circa 3.000 Jahren. Vor ungefähr 2.200 Jahren entdeckten die Chinesen die Möglichkeiten zur Herstellung von Papier. Vor mehr als 1.800 Jahren wurden die ersten Drucke mit Hilfe von Steinplatten hergestellt. Eine lange Geschichte im Vergleich zu Europa.
Darüber hinaus beherrschte in China über Jahrhunderte hinweg eine Beamtenkaste das politische System, deren Eignung aufgrund von literarischen Prüfungen festgestellt wurde. Literatur war in China nie nur ein Spiegel von Politik und Gesellschaft, sondern immer selbst ein Politikum. Umso verwunderlicher erscheint es, wenn die chinesische Buchbranche in den letzten Jahren so einen enormen Nachholbedarf bei der Produktion und Gestaltung von Büchern an den Tag legte. Die Gründe liegen fast 60 Jahre zurück. Vor der Machtergreifung der kommunistischen Partei im Jahr 1949 war China von einer pluralistischen Verlags- und Buchhandelslandschaft geprägt. Noch 1949 gab es über tausend private Verlage und Buchhandlungen und einen florierenden Buchmarkt. Im sozialistischen System unter Mao Zedong sollte das Buch jedoch eine andere Aufgaben erfüllen: Politische Erziehung und Propaganda. Der gesamte Publikationssektor wurde verstaatlicht. Seinen Höhepunkt und gleichzeitig fast vollständigen Zusammenbruch erreichte dieses System während der Kulturrevolution von 1966-1976. Es kam zu einer Dekonstruktion des gesamten Buchbereichs. Autoren, Buchhändler und Mitarbeiter von Verlagen wurden zur Umerziehung auf das Land geschickt. Die Buchproduktion mit Ausnahme der Schriften von Mao Zedong und anderen ideologische Texten wurde nahezu eingestellt. Mit den Reformen Anfang der 1980er Jahre begann der behutsame Weg einer fast völlig brach liegenden Publikationsindustrie hin zu marktgerechterem Wirtschaften. Verlegerische Aktivitäten konnten sich langsam entfalten. Durch den Zukauf von Übersetzungslizenzen Anfang der 1990er Jahr vor allem aus dem amerikanischen Raum und die Arbeit von privaten Verlagen in der Grauzone der Legalität bekam der Buchmarkt neue Impulse. Die herstellerische Qualität hat seitdem enorm zugenommen, auch wenn das im internationalen Vergleich sehr hohe deutsche Niveau noch nicht erreicht ist. In China wird auch nicht zwischen Hardcover- und Paperback unterschieden. Die meisten Bücher erscheinen als Paperback. Zudem ist die Aufmachung der Bücher an den Geschmack der chinesischen Leser angepasst und damit viel bunter – ähnlich wie anglo-amerikanische Bücher die dem Auge eines deutschen Lesers schon fast schmerzen. Auch die inhaltliche Qualität hat sich drastisch verbessert und das Themenspektrum wurde erheblich ausgeweitet. Propaganda war gestern – die Lust am Lesen heute. Welche Themen chinesische Leser heute interessieren, lesen Sie hier in der nächsten Woche.