Presseschau

Bertelsmann-Stiftung, "Volxbibel", Ernst Augustin

31. Oktober 2007
Redaktion Börsenblatt
"Hätten Organisationen eine Psyche, könnte man von manisch-depressiv sprechen", schreibt Jürgen Kaube in der FAZ über die Bertelsmann Stiftung. Ebenfalls Thema: die
"Einvernehmlich getrennt" - aus Anlass der Trennung der Bertelsmann Stiftung von Werner Weidenfeld heißt es in der FAZ: Die Bertelsmann Stiftung sagt jetzt nicht: Eingestellt ist eingestellt und wo keine Anklage, da keine Schuld. Sie hat sich vielmehr soeben von ihrem Vorstand, dessen Privatwohnungen und Aktenschränke durchsucht worden waren, getrennt. Gewiss, in beiderseitigem Einvernehmen, aber eben doch getrennt. Die Bertelsmann Stiftung selber macht seit Jahren einen zwiespältigen Eindruck. Hätten Organisationen eine Psyche, könnte man von manisch-depressiv sprechen. ... Manisch aber, megalomanisch wirken dabei nicht nur Selbstbezeichnungen wie "Global Policy Council" für unverbindliche Plaudereien ehemaliger Außenpolitiker und Sachbuchautoren. Reichlich aufgeblasen wirken auch Unterfangen wie das "internationale Standortranking", eine Art Schulzeugnis für ganze Nationen und ihre "Reformpolitik". ... Zum anderen, das ist die depressive Seite, wechseln an der Spitze der Bertelsmann Stiftung seit längerem schon häufig die Personen. Ständig fliegt einer. "Fettes Comeback" für Jesus - Jens Schröter schreibt in der WELT über die sogenannte Volxbibel: Hinter dem eigenwilligen Namen verbirgt sich das Neue Testament in der - angeblichen - Sprache heutiger Jugendlicher. Das liest sich dann etwa so: "Jesus wurde in dem Kuhdorf Bethlehem im Bezirk Judäa in Israel geboren. Herodes hatte damals dort das Sagen. Irgendwann kamen so Forscher aus Vorderasien, die sich tierisch gut mit den Sternen auskannten, in die Hauptstadt Jerusalem und quetschten überall die Leute aus ..." Jugendliche sprechen dieser Bibel zufolge also in einer Art vulgärem Gassenjargon. Worte wie "Auferstehung" oder "sich fürchten" sind zu steif und nicht drastisch genug. Deshalb werden sie ersetzt durch "Jesus' fettes Comeback" und "sich vor Angst in die Hose machen". Kein Wunder, dass ein solcher Umgang mit Texten, die vielen Menschen wichtig oder sogar heilig sind, scharfe Proteste hervorgerufen hat. Man kann bezweifeln, dass sich die Mehrheit der deutschen Jugend tatsächlich so ausdrückt. Fragen kann man auch, ob dies, wenn es so wäre, auf eine solche Weise befördert werden sollte. Wichtiger ist indes eine andere Frage, die diese Bibelausgabe aufwirft. Ist es legitim und sinnvoll, fragwürdige Erscheinungen des Zeitgeistes in Texte zu gießen, die ganz anderen historischen und kulturellen Zusammenhängen entstammen? "Glückliche Stunden" - Ulrich Rüdenauer gratuliert in der "Frankfurter Rundschau" dem Schriftsteller Ernst Augustin: Seine Präzision und psychologische Einfühlsamkeit speist sich nicht zuletzt aus der Rastlosigkeit seines Lebens: 1927 wurde Ernst Augustin in Hirschberg im Riesengebirge geboren, ist in Schwerin zur Schule gegangen, hat in der DDR studiert. Er war Unfallchirurg in Wismar, später Psychiater an der Ostberliner Charité, 1958 ist er in den Westen übergesiedelt. Ab 1959 leitete er drei Jahre lang ein amerikanisches Krankenhaus in Afghanistan, debütierte 1962 bei Suhrkamp mit dem Roman "Der Kopf", arbeitete fortan als psychiatrischer Gutachter, unternahm aber immer wieder abenteuerliche Reisen nach Indien, Pakistan, Afrika, in die Südsee, die Türkei, nach Russland, durch die USA - an all die Orte, an die es auch seine Helden verschlägt. Augustin gehört zu den Übersehenen der Gegenwartsliteratur, kann nun aber dank einer neunbändigen Jubiläumskassette neu entdeckt werden.