Don und Petie Kladstrup können viele Annekdoten erzählen, die den Champagner betreffen. Das amerikanische Ehepaar, das in Frankreich lebt, hat sich intensiv mit der Historie und den unbekannten verborgenen, fast vergessenen Geschichten und Persönlichkeiten des Champagners auseinander gesetzt und das Buch "Champagner. Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke" verfasst, welches bei Klett-Cotta erschienen ist. Das neue Werk stellten sie nun in Gesellschaft einiger edlen Tropfen in Frankfurt vor.
Bei der Recherche stießen sie auf viele berühmte Champagner-Liebhaber: Schon Casanova verzichtete niemals auf den edlen Tropfen, um seine Angebetenen zu verführen und Coco Chanel sagte gerne: "Ich trinke Champagner nur zu zwei Gelegenheiten: Wenn ich verliebt bin und wenn nicht." Lily Bollinger setzte noch einen drauf und meinte: "Ich trinke Champagner, wenn ich glücklich bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich ihn, wenn ich allein bin. In Gesellschaft ist er ein Muss. Ich nippe daran, wenn ich Hunger habe. Ansonsten lasse ich die Finger davon außer natürlich, wenn ich durstig bin."
Aber die Geschichte des Champagners war keineswegs immer ein heiterer Prozess. Die Kriege, insbesondere der 1. Weltkrieg, lasteten schwer auf der Entwicklung des Champagners, denn die Armeen trafen ausgerechnet in der Champagne aufeinander. Das Land und die Stadt wurden zerstört. Pommery und Lanson lagen in Trümmern, bei Moet & Chandon sah es nicht besser aus.
Die Kladstrups sind fasziniert von der Entwicklung des beinahe goldenen mit kleinen und feinen Perlen versetzten Getränks. Natürlich gibt es auch zu diesen Perlen eine Menge zu erzählen, denn lange sollte das Prickeln aus dem Getränk heraus. Wer dies auf welche Art versuchte, kann auch im Buch nachgelesen werden.
Auf die Frage, wie sie auf die Idee kamen, die Geschichte des Champagners aufzuschreiben, erklären sie, dass sie etwas anderes verfassen wollten. Etwas, das noch nicht in den Buchhandlungen im Regal zu finden sei. Außerdem seien sie angetan von den vielen heftigen, eigentlich schädlichen Begegnungen, die der Champagner zu überstehen hatte. Dass trotz der schwierigen Entwicklung solch ein perfektes Produkt entstand, sei die Besonderheit des Champagners, sagen beide im Einklang.
Lauscht man den champagnerverliebten Amerikanern, natürlich nicht ohne das passende Getränk in Form von drei verschiedenen Sorten Champagner zu verkosten, springt die Leidenschaft der Autoren auf den bis dato ziemlich ahnungslosen Zuhörer über. Die Geschichte fasziniert in der Tat. Vor allem auch das Kapitel über die eisernen Masken, die eine Zeit lang die Menschen vor dem Champagner schützten: Lange trugen die Kellereiarbeiter und Winzer solche Schutzmasken, denn die Gärung war in keiner Weise absehbar. Tausende Flaschen platzten und verletzten die Menschen. Heute funktioniert die Lagerung sicherer und effizienter, was den Champagner für die Kladstrups keinen Deut langweiliger macht. Er bleibt: Unberechenbar, dramatisch und edel. Santé.