Nicht nur Böhmen, auch Leipzig liegt am Meer: Mit leicht schwäbisch eingefärbtem Ahoi! begrüßte der Literaturkritiker Denis Scheck sein Publikum, das in großer Zahl zum Auftatktabend der Maritimen Tage von Lehmanns Fachbuchhandlung zusammengeströmt war. Darf ein in Stuttgart Geborener ohne Segeljacht und Kapitänspatent maritime Lieblingsbücher präsentieren, eine Landratte vom Wasser sprechen? Sie darf, denn Schecks Lese-Anstoß ist stets die Erfahrung des Fremden und Unbekannten: Ich bin ein eskapistischer Leser! Im Wasser, aus dem auch wir zu 7/10 bestehen, spiegelt sich das Leben wie in den Büchern von Homer bis John Updike, von Frank Schätzing bis David Foster Wallace, die Scheck aus den Tiefen seines prall gefüllten Rollköfferchens ans Licht holte. Ein Hauch von Abschied lag in der Luft, denn im Frühjahr geht der Herausgeber der Mare-Bibliothek, nach 36 Bänden, als Literaturlotse des Hamburger Verlags von Bord. Wissen Sie, dass Deniz auf Türkisch Meer heißt? Mit dieser Frage des Lyrikers Robert Gernhardt und einem schmalen Gedichtband hatte vor fünf Jahren alles begonnen. Sein Titel, natürlich: Meer.
Lehmanns maritime Tage: noch bis 27. Januar