boersenblatt.net: Die ITB markiert wichtige Trends im Reiseverhalten und Tourismusgeschäft. Welche Lücken sind denn bei Travel House Media im Merian-Programm noch zu schließen?
Rieß: Ich denke, dass die Merian Produktpalette das Reiseverhalten schon gut abdeckt. Aber es gibt natürlich interessante neue Trends, wie das Reisen zu Orten der Besinnung und Stille oder die Regionalisierung am deutschen Reisemarkt. Viele Regionen holen gerade kräftig auf. Da sehen wir Potential für unser Programm. Auch lokale Sehenswürdigkeiten gewinnen an Bedeutung. Wir starten deshalb im April bei Merian live einen Testballon mit Einzeltiteln zum Hamburger Hafen und zur Hamburger Reeperbahn. Dann ist sicher zu prüfen, ob nicht Stadtreiseführer für Wochenendtrips oder für Geschäftsreisende eine Marktlücke füllen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
boersenblatt.net:Travel House Media hat über Vertriebspartner wie den ADAC Verlag und White Star seine Angebotspalette erneut erweitert, um dem Buchhandel möglichst viel aus einer Hand zu bieten. Welche Zielmarke gehen Sie an?
Rieß: Wir wollen uns als Kompetenzführer am Markt etablieren, schneller und flexibler als andere auf Reisetrends und Bedürfnisse des Buchhandels reagieren. Unser Ziel ist es, die stabile Nummer 2 nach Marktführer MairDumont zu bleiben. Dazu sollen im Laufe des nächsten Jahres noch vorhandene Lücken in der Programmpalette geschlossen werden. Die Gespräche mit potentiellen Vertriebspartnern haben begonnen, aber Namen kann ich noch nicht nennen.
boersenblatt.net:Wie wird sich der Reiseführermarkt entwickeln? Merian setzt auf Print wie auf elektronische Produkte. Ist deren Durchbruch am Markt schon absehbar?
Rieß: Das steht sicher nicht unmittelbar bevor. Aber es gibt ja Prognosen, nach denen der Markt für gedruckte Reiseführer in den nächsten fünf bis acht Jahren um zehn Prozent schrumpfen soll. Das nehme ich ernst. Auch wenn es am Ende nur fünf Punkte sind. Man muss sich mit elektronischen Produkten darauf einstellen, die das wieder auffangen können. Aber ich denke, qualitativ anspruchsvolle Print-Produkte werden noch lange neben den neuen Medien existieren.
boersenblatt.net:Der Merian Scout Navigator ist ein solches Produkt. Der GPS-gestützte digitale Reisebegleiter ist seit einigen Wochen am Markt. Wie wird das Gerät zum Preis von 779 Euro vom Buchhandel angenommen?
Leininger: Bislang geteilt. An einigen Orten sind wir sehr zufrieden, an anderen bleiben Widerstände. Unser Außendienst tut sehr viel für das Marketing, die Präsentation und die Beratung der Buchhändler. Ich hoffe, dass zunehmend erkannt wird, dass im Verkauf eine Chance liegt. Denn die potentiellen Kunden, die es ja gibt, suchen zuerst im kompetenten Buchhandel danach.
boersenblatt.net:Sie nutzten aber auch weitere Vertriebswege?
Leininger: Neben dem Buchhandel ist das der Elektrohandel, aber wird sind auch mit der Autozubehörindustrie und mit Touristikunternehmen im Geschäft.
boersenblatt.net:Der Verlag hat enorm viel investiert, aber der Preis ist eine hohe Hürde. Wird es eine Korrektur nach unten geben?
Leininger:Wir können den Preis nicht senken, aber wir werden weitere neue Technologien dafür anbieten. Das Gerät ist gerade in der ersten Stufe der praktischen Anwendung. Die Einführung am Markt braucht etwas Zeit. Unser Absatzziel liegt für 2008 und 2009 im fünfstelligen Bereich. Den Return erwarten wir in zwei bis drei Jahren. Außerdem gibt es Überlegungen für Modifizierungen des Gerätes und damit könnten wir auch den Preis drücken.