Jugendbuchmesse Bologna

"Der Trend ist die Austauschbarkeit"

23. Juli 2015
Stefan Hauck
Szenenwechsel auf der Internationalen Jugendbuchmesse in Bologna, die heute zu Ende geht: Waren am Montag und Dienstag die Stände gut besucht, klapperten die Rights Manager ihre Termine im Halbstundentakt ab, so hatte sich das Bild am Mittwoch deutlich geändert. Die Hallen waren "übersichtlich", sprich: Viele Verlagsmitarbeiter gerade der außereuropäischen Aussteller hatten sich schon  auf den Heimweg gemacht.

War die ersten beiden Messetage noch vielerorts Anstehen angesagt, schauten die Standbesatzungen seit gestern mögliche Termine geradezu herbei. Vertreter der baltischen und osteuropäischen Verlage, die sich in den vergangenen Jahren als als aufstrebende Handelspartner und interessante Lizenznehmer der deutschen Jugendbuchverlage gezeigt hatten, waren zum einen in nur in einer Minimalbestzung in Bologna und kauften - wie alle - nur zögerlich oder gar nicht ein.

"Generell ist bei den meisten Verlagen erst einmal Anschauen angesagt", hat Oetinger-Lizenzchefin Renate Reichstein beobachtet, "die viele ausländische Verlage überlegen dreimal. Hat ein Verlag genau das passende Buch, greifen sie zu - ansonsten ist es eher wie einem Stadtbummel, um es einmal etwas salopp zu sagen." Den Eindruck bestätigen auch andere deutschsprachige Verlage.

"Die Grundstimmung bei den deutschsprachigen Verlagen ist positiv bei gleichzeitiger Erwartung einer möglichen Krise", resümmiert der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, Thienemann-Verleger Klaus Willberg. "Es wird darüber gesprochen, dass etwas kommen kann, aber wo es genau treffen wird, weiß niemand."

Wirklich neue Trends gab es auf der Jugendbuchmesse nicht zu beobachten. Auch wenn ausländische Verleger von der Paranormal Romance als neuem Trend sprachen, so stellen sich die entsprechenden Bücher als Epigonen von Stephenie Meyers Bis(s)-Saga heraus. Kopien der Bis(s)-Cover-Ästhetik sind übrigens stark im Umlauf. "Schnörkelige Schrift, ein zur Seite schauendes Mädchengesicht, kleiner Farbverlauf - das fällt schon auf", konstatiert Willberg. "Der Trend ist die Austauschbarkeit." Ein weiterer strategischer Trend: Der Wille der Verlage zur Eigenproduktion hält an. Insbesondere in schwierigeren Zeiten verzichtet man gerne auf teure Übersetzungen und Lizenzen.