Libri Campus

Die Unproduktivität bekämpfen

23. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
„Konsequent und lustvoll sortieren – Wie Sie den Einkauf vereinfachen und die Entdeckerfreude steigern“: Das ist das Motto des Libri Campus in Bad Hersfeld, der gestern in die dritte Runde gestartet ist. Auch in diesem Jahr hat Libri wieder mehrere hundert Buchhändler zu einer Fortbildungsveranstaltung eingeladen. In vier Blöcken zu zwei Tagen durchlaufen jeweils rund 100 Sortimenter das Programm.

„Manchmal hat man den Eindruck, Buchhändler würden lieber einkaufen als verkaufen“, brachte es Bertram Pfister, Leiter Vertrieb und Marketing bei Libri, zur Eröffnung auf den Punkt - und erntete dabei einerseits Zustimmung, andererseits unzufriedenes Grummeln aus dem Publikum. Wie auch immer die Präferenzen der Buchhändler liegen: Es es wichtig, den Einkauf zu optimieren – beim Libri Campus jedoch einmal nicht aus betriebswirtschaftlicher Sicht, sondern aus Kundensicht. Dabei spiele etwa die Frage eine Rolle, „wann die Kunden denken, dass ihre Buchhandlung das richtige Angebot vorrätig hat“, so Pfister.

Es komme vor allem auf das Sortieren an, darauf, das Richtige zu identifizieren, sagte Buchhandelsberater Arnd Roszinsky-Terjung, der gemeinsam mit Verlagsberater Andreas Meyer durch die Veranstaltung führt. „Waste reduction“, die Reduzierung von nicht-produktiven Prozessen, sei ein ganz wesentlicher Faktor.

Das betonte auch Professor Michael Berken vom RheinAhrCampus. Der Wirtschaftswissenschaftler hat sich dem Simple Management verschrieben. Seine These: „Vereinfachen macht einfach, weil die Unternehmen dadurch schneller werden, kostengünstiger arbeiten und kundenorientierter auftreten können. Noch einfacher mache es das Fokussieren, dann würden die Unternehmen noch profitabler, noch schneller etc. „Schließlich hemmt zu viel Waste die Produktivität“. Auf großes Erstaunen stieß Berkens Hinweis, dass rund 90 Prozent der Geschäftsprozesse weltweit nicht wertschöpfend seien. In manchen Unternehmen seien es sogar 98 Prozent.

Auf möglichst viele unproduktive Prozesse und zeitaufwendige Abläufe verzichtet auch Bernhard Schäfer, der sich vor rund einem Jahr mit der Buchhandlung Buchland in Bad Wildungen (130 Quadratmeter) selbständig gemacht hat. Sein Angebot besteht aus ca. 5000 Titeln, Bestellungen laufen ausschließlich über die Barsortimente. „Wir hauen selbstbewusst mit einem kleinen Sortiment auf die Pauke“, so Schäfer. Er habe keine Lust auf „Packwahn, Remissionswut und Lagerkoller“. Mit dem durchdachten Einkauf gelinge es ihm, eine Remissionsquote von weniger als fünf Prozent sowie ein Lagerumschlag größer zehn zu erreichen.

Die gewonnene Zeit widmen er und seine Mitarbeiter den Kunden und dem Verkaufen – Vertreter empfängt Schäfer nicht mehr. „Da kauft man immer viel mehr ein als man eigentlich vorhatte“. Der Pro-Kopf-Umsatz in seiner Buchhandlung liege bei mehr als 200000 Euro – und damit über dem Branchendurchschnitt.

Und weil beim Libri Campus auch der Blick über den Tellerrand eine wichtige Rolle spielt, informierte beispielsweise Tanja Merkle von Sinus Sociovision über die Sinus-Milieus, Heiko Hilscher berichtete über seinen erfolgreichen Linkshänder-Laden in Erfurt sowie die dazugehörige Internet-Plattform und Nadine Müller, Deutschlands erste und bisher einzige Spieleberaterin, stellt ihre Arbeit vor.

Am heutigen Freitag werden die einzelnen Themen gemeinsam mit den Referenten in verschiedenen Workshops vertieft.