Kommentar

Ladenpreise: Endlich werden Bücher teurer

23. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Was gibt es für rund elf Euro? Champagner Creme Sorbet im Luxus-Hotel ums Eck. Genusszeit: je nach Esskultur des Gastes 2-12 min. Oder eine Stehplatzkarte auf St. Pauli. Genusszeit: schwankt. Und jetzt bald Rebecca Gablés »Spiel der Könige«. Genusszeit: 1200 Seiten à 90 Sekunden, also rund 30 Stunden, eine Zeitspanne, in der man sehr langsam 150 Champagner Creme Sorbets verputzen könnte, wofür im Hotel nebenan 1650 Euro fällig würden. Ein Kommentar von Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir.

Lübbe macht die Bücher teurer. Endlich! Seit Jahren stagnieren die Ladenpreise für dieses ohnehin rela­tiv günstige Unterhaltungsmedium. Während die Kosten weiter stiegen, schmolzen die Margen für alle Beteiligten des Handels ab. Das kann man, wie Branchenprimus Joerg Pfuhl gerade im »Buchreport« zu bedenken gab, dauerhaft nicht mit Kostenoptimierung ausgleichen.


Niemand hat sich bislang an die starren Preisgrenzen herangetraut. Das, was nichts anderes ist als eine soziale Konstruktion, wurde in kollek­tiver Angst vor der eigenen Courage für eine Naturkonstante gehalten. Keine so billige Verwechs­lung. Erst Kostendruck führt nun, nach einer Phase des Umdenkens, zu neuem Verhalten. Mag sein, dass hier der Mut der Verzweiflung sichtbar wird. Aber immerhin Mut.


Für den neuen Dan Brown sollen die Fans 24,99 Euro geben, satte fünf­ Euro mehr als gewohnt. Wetten, sie werden es ohne Murren tun und »Das verlorene Symbol« dennoch kaufen? Sucht bleibt Sucht.
Souverän wäre eine »25 Euro«-Ansage. Doch der Gauklerkunst des Odd-Pricing wird nach wie vor viel zugetraut, leider – bis ein nächster Verlag das Experiment wagt. Dann könnte die Entrümpelung der Eckpreislagen beginnen. 0,99: bald ein weiteres »lost symbol«?