Landesverband Rheinland-Pfalz

Neues Ausleihsystem für Schulbücher: "Wahnsinn in Paketen"

22. April 2010
Redaktion Börsenblatt
Chaos bei der Schulbehörde, ein enger Zeitplan, null Planungssicherheit: die Umstellung  auf das neue Schulbuch-Ausleihsystem sorgt für Angst und Schrecken bei den Buchhändlern in Rheinland-Pfalz.
43 Teilnehmer, darunter 31 Mitglieder des Landesverbands, sind am gestrigen Mittwoch nach Ingelheim zur Jahreshauptversammlung gekommen; doppelt so viele wie im Vorjahr. Top-Thema: das Schulbuchgeschäft.

Vorgesehen ist in Rheinland-Pfalz die Einführung der kompletten Lernmittelfreiheit für alle Familien, deren Einkommen eine bestimmte Einkommensgrenze unterschreitet und die dadurch bislang schon Anspruch auf Lernmittelgutscheine hatten. Diese sind von allen Kosten für Schulbücher, Atlanten und Arbeitshefte befreit.

Für alle anderen Familien ist ein Ausleihsystem von Schulbüchern gegen Entgelt geplant. Dabei sollen Schulbücher gegen eine vom Schulträger zu erhebende Gebühr, die pro Schuljahr nicht über einem Drittel des Ladenpreises liegt, ausgeliehen werden können. Ausgenommen von dieser Regelung sind Bücher, die über einen Zeitraum von mehr als drei Schuljahren genutzt werden (z.B. Atlanten) sowie Arbeitshefte. Informationen zum neuen Mietsystem und der Schulbuchkatalog sind unter LMF-online.rlp.de hinterlegt.

Noch ist das entsprechende PC-Programm, Kernstück des neuen Systems, nicht aufgesetzt, der Zeitplan ist eng, weder Schulbehörden noch Buchhandlungen wissen im Detail, was auf sie zukommt. "Ich habe den Eindruck, dass ich diese Aufgabe nicht bewältigen können werde", sagt der Mainzer Buchhändler Thomas Kohl.

Welche Chancen und Risiken im neuen Schulbuchmietsystem liegen und wie man die Anforderungen bewältigen kann, erklärte Manfred Queißer, Buchhändler aus dem Saarland. Dort wurde im Schuljahr 2009/2010 auf ein ganz ähnliches Mietsystem umgestellt. Von der Lager- und Arbeitsfläche bis zur Ausstattung mit onlinefähigen Computern und zusätzlichem Personal reichen die Anforderungen, das Arbeitsvolumen sei nicht zu unterschätzen, so Queißer. Auf der Habenseite stehe der Imagegewinn, der zusätzliche Roherlös und die Zusatzumsätze mit PBS / Buchhüllen.

 

Zum Thema Fusion / Verschmelzung erging folgender Antrag, der einstimmig mit zwei Enthaltungen angenommen wurde:

„Die Mitgliederversammlung des Landesverbands Rheinland-Pfalz beauftragt Vorstand und Geschäftsstelle, die Fusion mit den Landesverbänden Hessen und Saarland weiter zu verfolgen, um die darin enthaltenen Einsparmöglichkeiten zu realisieren und das Dienstleistungsangebot zu optimieren. Die Mitgliederversammlung beschließt, der Vorstand möge gemeinsam mit dem Bundesverband und den beiden Landesverbänden Hessen und Saarland erarbeiten, welche Auswirkungen eine Fusion von Bundesverband und Landesverbänden auf die Organisationsstruktur und das Dienstleistungsangebot haben würden und welche Einsparmöglichkeiten zu erzielen wären. Der Vorstand wird aufgefordert, die Mitglieder bei der Jahresversammlung 2011 über die Ergebnisse zu informieren und einen Beschluss über eine mögliche Fusion herbeizuführen.“

In Sachen Mitgliederbewegung zeigte sich der LV Rheinland-Pfalz stabil (plus 1); bei den Ausbildungsplätzen musste – analog zur Branche – ein Rückgang von 11,2 Prozent hingenommen werden. Dass von 34 angebotenen Seminaren 14 ausgefallen sind, tue dem Verband „weh und leid“, so die Vorsitzende Annette Nünnerich-Asmus. Hauptgründe für das mangelnde Interesse sind die dünne Personaldecke der Mitgliedsunternehmen und die Seminarkosten, so die Erkenntnisse des Vorstands.