Seit gestern ist es offiziell: Valora Retail-Geschäftsführer Mathias Gehle löst nach achteinhalb Jahren Götz Grauert als ersten Vorsitzenden des Verbands Deutscher Bahnhofsbuchhändler ab. Zweiter Vorsitzender ist Friedrich Hacker, Geschäftsführer beim Bahnhofsbuchhändler Schmitt & Hahn. Im Amt bestätigt wurden Schatzmeister Michael Falter (Falter Bücher und Presse Vertrieb) und Rechnungsprüfer Daniel Seidl, Geschäftsführer von Hollmann Buch & Presse.
Götz Grauert wies in seiner Eröffnungsrede auf die Funktion der Bahnhofsbuchhandlungen als bedeutende Imageträger für die Bahnhöfe hin und darauf, dass die Sortimenter am Gleis im zurückliegenden Jahr zwölf Millionen Euro in den Umbau und die Renovierung ihrer Standorte investiert haben. Auch der Vermieter, die Deutsche Bahn, investiere weiter in den Ausbau der Standorte - in naher Zukunft etwa in den Städten Stuttgart, Dresden und Frankfurt, versicherte André Zeug, Vorsitzender des Vorstands DB Station & Service.
Die Vortragsserie des heutigen Nachmittags eröffnete Giovanni di Lorenzo mit seinen "Zehn Geboten für die Zukunft der Printmedien", die der Chefredakteur der "Zeit" auch schon den Ratgeberverlagen bei deren Jahrestagung vorgestellt hatte:
- Du sollst den Namen deines Mediums nicht verunglimpfen
- Achte darauf, dass du mit der Aufwertung deiner Online-Redaktion nicht deine Auflage schwächst
- Du sollst nicht vor allen Neuerungen Angst haben
- Du sollst das Potential deiner Leser nutzen, ohne es zu überschätzen
- Du sollst deine Leser ernst nehmen
- Du sollst die Zeit des Umbruchs nutzen, um neue Formate auszuprobieren
- Du sollst flexibel sein, dich aber nicht irre machen lassen
- Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten
- Du sollst dich auf deine Stärken besinnen, die dir gegeben sind
- Du sollst ruhig um neue Abonnenten werben, aber nicht die Stammleser vernachlässigen
Torsten Brandt, Verlagsgeschäftsführer Vertrieb Bild-Gruppe und Zeitschriften sowie Sprecher Pressemarkt Vertrieb im VDZ ging in seinem Vortrag kurz auf den zurückliegenden Grosso-Streit ein und kündigte an, dass der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger einen Leitfaden der Grundsätze im Pressevertrieb etablieren wolle.
In seiner Antrittsrede sprach Mathias Gehle über die Perspektiven und Herausforderungen des Bahnhofsbuchhandels. "Die Verkehrsknotenpunkte werden die neuen Shopping-Malls", so der Valora-Geschäftsführer. Schon heute seinen die Flughäfen und Bahnhöfe schon höher frequentiert als die City und dieser Trend setze ich weiter fort. "Gleichzeitig werden die mobilen Kunden immer anspruchsvoller und sprunghafter", so Gehle. Design und Ladenbau mit einer klaren Struktur und Orientierung sollten bei den Bahnhofsbuchhändlern weiter im Fokus stehen - gepaart mit innovativen Angeboten, wie etwa Touchscreens, über die man erfährt, ob ein gewünschter Titel im Laden oder in einer anderen Filiale in der Nähe vorhanden ist und wo dieser Titel steht. Was die Zielgruppe anght, sei diese zwar jünger, männlicher und einkommensstärker als im übrigen Einzelhandel, man dürfe jedoch auch den demographischen Wandel nicht außer Acht lassen. Trendthemen im Bahnhofsbuchhandel seinen vor allem Gesundheit und Nachhaltigkeit.
In dem Vortrag von Marc Sasserath (Musiol Munzinger Sasserath - Gesellschaft für umsetzungsorientierte Markenberatung und Markenentwicklung) ging es um Marken und das Vertrauen, das Menschen in diese setzen. Sasserath stellte unter anderem einen Vertrauensindex vor, nach dem Tageszeitungen das höchste Vertrauen genießen - gefolgt von Brauereien und Lebensmitteldiscountern. Vor allem Qualität, Nachhalzigkeit und Nähe bekommen laut Sasserath künftig ein neues Gewicht, wenn es darum geht, Kunden für eine Marke zu begeistern. "Man muss als Unternehmen nützlich sein, interessant und interessiert", so der Markenspezialist.
Höchst unterhaltsam schloss der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre den Vormittag mit seinem Vortrag "www - wenn ich auf das Ende seh. Warum Papier auch 2010 noch toll und wichtig ist" ab. Wie sein Vorredner di Lorenzo wies auch Stuckrad-Barre darauf hin, dass Printmedien selbstbewusster auftreten und ihre Stärken herausstellen sollten. Keiner müsse sich wundern, dass immer mehr Leser ins Netz abwandern, wenn diese bei jedem Artikel darauf hingewiesen würden, dass sie dazu alle Hintergründe im Netz nachlesen sollen.
Am Rande der Veranstaltung wurde außerdem bekannt, dass die Unternehmensgruppe Dr. Eckert, die bislang aus den Firmen Handelshaus Dr. Eckert & Co., Buchhandlungen Gerhard Ludwig und PSG Prima Service Gesellschaft bestand, ab 1. Juni zu einem Unternehmen verschmolzen wird. "Die drei Marken Ludwig, Eckert und Barbarino bleiben aber unter dem neuen Dach weiter bestehen", sagte Adam-Claus Eckert auf Nachfrage.