Pressekonferenz

Die Wirtschaftskrise als weißer Schwan

28. Mai 2010
Redaktion Börsenblatt
Kein anderer Wirtschaftswissenschaftler hat die globale Krise so frühzeitig und detailliert vorhergesehen wie der US-Ökonom Nouriel Roubini. In Frankfurt präsentierte er heute vor etlichen TV-Teams und Vertretern der Printmedien sein Buch "Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft" (Campus).

Der Titel ist am 11. Mai zeitgleich mit der amerikanischen Originalausgabe "Crisis Economics" erschienen, die zurzeit auf Platz 9 der "New York Times"-Bestsellerliste rangiert. Im "Spiegel" steht das Buch auf Platz 19 und steigt am kommenden Montag außerdem auf Platz 18 in die Hardcover-Sachbuchcharts im "Focus" ein. Campus hat den Titel mit einer Startauflage von 50.000 Exemplaren gedruckt.

Großes Medieninteresse

Die heutige Buchpräsentation in Frankfurt stieß auf großes Medieninteresse: Kamerateams von ZDF, N-TV und N24 verfolgten die Veranstaltung. Im Vorfeld wurden Beiträge für die "Börse im Ersten" mit Anja Kohl und das ARD-Magazin "Plusminus" gedreht. Insgesamt nahmen rund 30 Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Pressekonferenz teil.

Griechenland als Spitze des Eisbergs

Der als Untergangsprophet oder "Dr. Doom" bekannte Roubini sieht nach dem Platzen der Immobilienblase und dem Bankensterben die Defizite der öffentlichen Hand als zweite Phase der andauernden Weltwirtschaftskrise. Angesichts der aktuellen Griechenland-Debatte warnt er vor hoher Inflation und Staatspleiten: "Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs."

Dabei sei die gegenwärtige Krise absehbar gewesen und hätte damit verhindert werden können: "Es geht hier nicht um den für unmöglich gehaltenen schwarzen Schwan, sondern um einen ganz gewöhnlichen weißen", so Roubini.

Regelmäßig wiederkehrende Krisenmuster

Zusammen mit dem Wirtschaftshistoriker Stephen Mihm (der als Koautor bei der heutigen Präsentation fehlte) hat er anhand historischer Beispiele aus verschiedenen Jahrhunderten die regelmäßig wiederkehrenden Muster von Wirtschafts- und Finanzkrisen herausgearbeitet – und stützt darauf seine Prognosen für die Zukunft. Auf die Frage, wie künftig mehr Stabilität erreicht werden könne, antwortet Roubini: "Die Banken müssen kleiner werden, damit das Scheitern einzelner Finanzunternehmen keine globalen Auswirkungen mehr hat." Je größer das Unternehmen, desto schwieriger sei es auch zu managen oder im Ernstfall zu retten.