Interview mit Bernd Stiegler, kup

"Wir wollen interdisziplinäre Debatten befördern"

28. Mai 2010
Redaktion Börsenblatt
Die Universität Konstanz und der Wilhelm Fink Verlag haben gemeinsam die Konstanz University Press (kup) gegründet. Boersenblatt.net hat mit Verlagsleiter Bernd Stiegler über Zielsetzung und Perspektiven gesprochen.

Das Kürzel kup ähnelt stark dem eines anderen Universitätsverlags: BUP. Ist Berlin University Press für Sie ein nachahmenswertes Modell?

Stiegler:
Wir haben weniger an BUP als Vorbild, sondern an die amerikanischen University Presses gedacht, die einerseits Forschungsergebnisse ihrer Universitäten publizieren, darüber hinaus aber auch wissenschaftliche Sachbücher verlegen, die nichts oder nicht unmittelbar mit der eigenen Universität zu tun haben. kup grenzt sich auch deutlich von universitätseigenen Verlagen in Deutschland ab, die in der Regel nur Qualifikationsschriften und Sammelbände aus der jeweiligen Institution veröffentlichen.


In Konstanz gibt es schon einen Universitätsverlag: UVK. Warum braucht man einen zweiten?

Stiegler: Der Universitätsverlag Konstanz wurde schon gegründet, bevor es die Universität gab und ist ihr weder juristisch noch wirtschaftlich verbunden. Außerdem führt er inzwischen ein vor allem auf Medientheorie und Journalismus spezialisiertes Programm. Wir wollen hingegen ein breites Spektrum an Themen bedienen und entsprechend viele Leser erreichen – nicht nur das akademische Publikum, sondern auch das interessierte Laienpublikum. Wir starten im Herbst mit sieben Büchern, die teilweise einen interdisziplinären Ansatz verfolgen. Unser Ziel ist es, interdisziplinäre Debatten zu befördern.


Mit dem Umzug von Suhrkamp nach Berlin und der Transformation des Verlags ist das intellektuelle Defizit in der deutschen Verlagsszene möglicherweise gewachsen. Wollen Sie mit Ihrem Programm die Lücke – zumindest zu einem Teil – schließen?

Stiegler: Ein wichtiger Impuls ist die Exzellenzinitiative des Bundes und der Exzellenz-Cluster hier in Konstanz, der diese Gründung initiiert und begünstigt hat. Wir werden bei kup ein wissenschaftliches Lektorat haben – unter der Leitung von Alexander Schmitz – , das es in dieser Form in vielen Verlagshäusern heute nicht mehr gibt. Ich sehe die Verlagsgründung als wichtigen Beitrag für die Wissenschaftslandschaft und die öffentliche Debattenkultur – denn viele Titel sind auch politisch relevant.


Knüpfen Sie mit Ihrem Programm an die Forschungsschwerpunkte in Konstanz an?

Stiegler: In den ersten Programmen spielt dies sicher eine Rolle – etwa bei dem Titel »Vor der Familie«, der auf ein Graduiertenkolleg zurückgeht, oder bei der »Einführung in die Soziologie« von Heinrich Popitz, dessen Nachlass im Sozialwissenschaftlichen Archiv der Uni Konstanz aufbewahrt wird. Die Mehrheit der Titel wird künftig aber keinen unmittelbaren Bezug zu Konstanz haben.


Spielt die Tradition der Gruppe Poetik & Hermeneutik noch eine Rolle, deren Publikationen ja bei Wilhelm Fink erschienen?

Stiegler:
Das ist historisch interessant, hat aber auf unsere Programmplanung keine Auswirkungen. Sicher hat diese Vorgeschichte aber dazu beigetragen, dass Fink die Tochter kup ins Leben gerufen hat. Und der interdisziplinäre Ansatz von Poetik & Hermeneutik hat auch für uns eine Vorbildfunktion.


Wie wollen Sie die Aufmerksamkeit der Buchhändler auf Ihr Verlagsprogramm ziehen?

Stiegler: Lektorat und Verlagsleitung liegen in Konstanz, während Vertrieb, Marketing, Außendienst und Pressearbeit über den Fink-Verlag in Paderborn laufen, aber von Konstanz aus unterstützt werden. So sind wir vertrieblich gut aufgestellt.


Wollen Sie mit kup auch in die Vertriebskooperation UTB Forum einsteigen?

Stiegler: Das ist denkbar, aber noch nicht entschieden.


Gibt es schon eine erste Resonanz aus dem Handel?

Stiegler: Die kann es noch nicht geben, weil unsere Vertreter erst ab Juni reisen. Außerdem beginnen wir jetzt erst damit, die Vorschau zu verschicken. Unser erstes Programm wollen wir im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse am Stand von Fink und Schöningh präsentieren.