Kommentar von Michael Roesler-Graichen

Einkaufen in der App

1. Juni 2010
Redaktion Börsenblatt
Das iPad könnte – ungeachtet aller Mängel und Zensurvorwürfe – den Umgang mit dem Internet und seinen Inhalten stark verändern. Zwei Millionen verkaufte iPads innerhalb von knapp zwei Monaten sprechen da eine deutliche Sprache.
Aber nicht nur die Nutzung von E-Books und anderen digitalen Medien dürfte sich wandeln – auch der Online-Vertrieb wird auf neue Füße gestellt: mit der App, die bereits auf dem iPhone funktioniert. Wenn künftig ein kleines Icon einer großen Buchhandelskette auf dem Touchscreen des iPad aufleuchtet, bieten sich dem Nutzer ganz neue Möglichkeiten zum Buchkauf. Er kann, wie bei der angekündigten Applikation von Hugendubel, den Bestand einzelner Titel in einer konkreten Buchhandlung abfragen, er kann E-Books und physische Bücher bestellen. Die App wird zur virtuellen Drehtür, durch die der Kunde künftig geht. Vielleicht besorgt er sich den gewünschten Titel wirklich physisch, besucht seine Buchhandlung und nimmt das Buch in Empfang. Oder er lädt ein E-Book herunter. Sofort.

Das Ganze ist keine Spielerei, sondern Notwendigkeit: Mit der allmählichen, partiellen Substitution des physischen Buchgeschäfts muss der Buchhandel seine Vertriebswege neu definieren. Und er ist gut beraten, wenn er dies heute tut. Gedruckte Bücher und stationäre Läden wird es zwar auch in zehn und 20 Jahren noch geben, aber ein steigender Anteil wird über Apps oder Websites gekauft. Zudem wächst der Anteil der E-Books. Das iPad wird künftig nicht nur Multimedia-Bar sein, sondern auch Shoppingcenter: Einkaufen in der App – auf dem Sofa.