Suhrkamp-Jubiläumsfeier am Wannsee

Fragen ohne Antworten

29. August 2010
Redaktion Börsenblatt
Vom Nachmittag bis in den Abend hinein – es lief wie am Schnürchen. Eine Lesung reihte sich an die nächste: Stephan Thome, Ann Cotton, Lutz Seiler, Doron Rabinovici... Und dieses Autorenprogramm wäre wohl bequem bis in den nächsten Tag hinein zu verlängern gewesen. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hatte bei ihrer Eröffnung des Verlagsfestes zum 60jährigen Suhrkamp-Jubiläum in geübter Art ein langes Autorenalphabet vorgetragen – all jene genannt, die gekommen waren zum Literarischen Colloquium am Wannsee. Es waren viele.
Da Dietmar Dath (eine Ausnahme) fern blieb, das schlechte Wetter soll Schuld gewesen sein, musste sein Gesprächspartner Gregor Gysi gleich zu Beginn jedoch den Alleinunterhalter geben. Gysi zählte also auf (auch er): Was er Dath alles habe fragen wollen. Für jede Frage hatte er einen kleinen weißen Karton vorbereitet: Vielschreiber, als Linker bei der FAZ, radikale Kapitalismuskritik etc. „Ich habe natürlich nur die Fragen aufgeschrieben, nicht die Antworten.“ 

Pech hatte später Neu-Suhrkampautorin Judith Schalansky. Bei ihrer Lesung war es doch schon merklich kühler geworden und die Lust am Zuhören eingefroren. Ein einsamer Leser hielt es trotzdem lange auf einem kleinen Ruderboot aus, das auf dem Wannsee ankerte – doch er war auch eigens engagiert worden.

Berkéwicz und Cheflektor Raimund Fellinger zitierten in ihren Jubiläums-Reden mit Emphase die fernere Vergangenheit und also auch die früheren Verleger, Siegfried Unseld und Peter Suhrkamp. Unabhängig bleiben, keine Beliebigkeit, dem Publikum Werte aufdrängen, die es nicht haben will – diesen Unseldschen Leitgedanken wolle der Verlag weiter folgen. Anzufügen wäre gewesen, dass das nicht leichter geworden ist.  Umzug und Berliner Neuanfang blieben ohnehin ausgespart.

Nur am Rande der offiziellen Reden kamen sie zur Sprache. Mitgesellschafter Hans Barlach, der bei Berkéwiczs Rede zwar in der ersten Reihe saß, von ihr aber ignoriert wurde und sich wohl auch später recht einsam fühlte, erzählte, dass er nicht recht wisse, ob sich das Berlin-Experiment für den Verlag auszahle. „Tore sind noch keine geschossen worden.“ Immerhin: das alte Frankfurter Verlagshaus in der Lindenstraße, sagte er, ist gerade verkauft worden. Der Preis sei ordentlich.

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