"Frankfurt ist bereit für eine solche Veranstaltung", sagt Kulturdezernent Felix Semmelroth. Das muss er auch, schließlich fungiert Oberbürgermeisterin Petra Roth auch bei der zweiten Auflage der Aktion "Frankfurt liest ein Buch", die vom 2. bis 15. Mai stattfindet, als Schirmherrin.
Nach dem überwältigenden Erfolg der Premiere mit Valentin Sengers "Kaiserhofstraße 12" fallen die Eckdaten, die auf der heutigen Pressekonferenz verkündet wurden, ein wenig bescheidener aus – ganz bewusst, wie der Vorsitzende des Vereins "Frankfurt liest ein Buch", Verleger Klaus Schöffling, betonte: Mit Wilhelm Genazinos "Abschaffel“-Trilogie habe man dezidiert ein weitaus literarischeres, komplexeres Buch ausgewählt.
Kulturdezernent Semmelroth ist dennoch überzeugt, dass die Bürger der Stadt in den 54 Veranstaltungen, die über das zweiwöchige Programm verteilt sind, "ein ganz anderes Frankfurt kennen lernen werden als das heutige". Seine zerlesene Originalausgabe aus dem Jahr 1977, in dem der erste Teil erstmals erschien, hatte Semmelroth mitgebracht.
Den Entwurf für das Veranstaltungsplakat hat Hans Traxler gezeichnet; die Karikatur des Dichters unterstreicht den Eindruck seines Lektors Wolfgang Matz vom Hanser Verlag, Genazino sei "ein Spezialist für die Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens". Der Hanser Verlag hat eigens für "Frankfurt liest ein Buch" eine Sonderausgabe der Trilogie produziert. Ein Wermutstropfen, so Schöffling, sei das geringe Interesse der Schulen, Veranstaltungen auszurichten. Schöffling erklärt das mit den in diesem Jahr vorgezogenen Schulferien und der Enge des Lehrplans.
Lediglich eine 11. Klasse der Ziehenschule wird am 13. Mai in einer Art Flashmob zunächst eine öffentliche Lesung auf dem Römerberg abhalten, um von dort aus in die Frankfurter U-Bahnen auszuströmen und den Fahrgästen Genazino zu Gehör zu bringen. Weitere Höhepunkte sind beispielsweise eine aufwändige Ausstellung im Haus am Dom, welche das Frankfurt der 70er-Jahre ausleuchten soll, eine Mitternachtslesung im Café Größenwahn und die obligatorische Lesung von Magistratsmitgliedern zum Abschluss der Festtage.
Auch der eher zurückhaltende Autor selbst wird bei immerhin acht Veranstaltungen zugegen sein. Auf die Frage, wie Genazino mit alldem umgehe, gab es eine diplomatische Antwort: "Herr Genazino findet das alles ganz toll, aber er freut sich auch darauf, dass alles vorbei ist."