Landolf hat, gemeinsam mit einer Gruppe von SBVV-Mitgliedern, auf diesen Moment über Wochen hingearbeitet. Tausende Dinge waren zu erledigen, mit Blick auf die Finanzierung, die Argumentation, das PR-Material und die Kampagnensteuerung via Internet.
Die Fakten:
- Mit der Kampagne »Ja zum Buch« will der SBVV die Wähler über den Sinn fester Bücherpreise aufklären – und so auf den Volksentscheid 2012 vorbereiten.
- Hauptargumente: Feste Bücherpreise stärken die Buchbranche, sie sichern die Buchvielfalt und senken die Preisunterschiede zum Ausland (siehe Plakat).
- In der ersten Phase (Dezember 2011) ist Landolf zufolge vor allem der Buchhandel gefragt; spätestens im Januar werde man dann aber damit beginnen, auch jenseits der Branchengrenzen für feste Bücherpreise zu trommeln.
- Sortimenter erhalten unter anderem Plakate, Flyer und Aufkleber. Insgesamt, so Landolf, hätten mehr als 500 Buchhandlungen aus allen Landesteilen PR-Pakete geordert, darunter auch die Filialisten Weltbild und Thalia. Eines der wenigen Unternehmen, die nicht mitziehen, ist Orell Füssli. Die offizielle Sprachregelung laut Marketingleiter András Németh: Wir verhalten uns neutral.« Orell Füssli werde keine Plakate aufhängen, die Kampagne aber auch nicht stören (siehe auch: Umfrage unter Schweizer Buchhändlern).
- Flankiert werden die Aktionen im Internet. Der SBVV hat unter www.ja-zum-buch.ch ein Forum freigeschaltet, das informiert und die Lage in der Branche nachzeichnet – etwa durch Stimmen von SBVV-Präsidentin Marianne Sax und Diogenes-Geschäftsleiter Stefan Fritsch.
Auf der Gegenseite herrscht indessen Ruhe, zumindest vorerst. Weder die Migros-Tochter Exlibris noch die Partei der Jungfreisinnigen melden sich derzeit öffentlich zu Wort – was den SBVV aber nicht davon abhält, sich schon jetzt darauf vorzubereiten. "Ich bin sicher, dass da noch was kommen wird", meint Landolf. "Ganz sicher sogar."
Aber auch ohne erneutes Aufflammen der Debatte steht längst noch nicht fest, mit welchem Ergebnis das Finale am 11. März 2012 endet. Nur so viel ist klar: Misslingt die Aufklärung der Wähler, besteht für die Schweizer Branche keine Aussicht mehr, zur Buchpreisbindung zurückzukehren. Damit wäre auch die Chance passé, den durch die Währungsturbulenzen aufgeheizten Markt wieder zu beruhigen. Die Listenpreise für Bücher sind, wie berichtet, seit 2010 um rund 25 Prozent gefallen, exportierende Verlage leiden unter Kostendruck – und Buchhandlungen unter Umsatzrückgängen (kumuliert bis Oktober 2011: minus 7,8 Prozent zum Vorjahr; Details: siehe Archiv, unten).
Stichwort: Buchpreisbindung in der Schweiz
- Die Zeit fester Bücherpreise endete in der Schweiz im Mai 2007. Laut Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband mussten seitdem allein in der Deutschschweiz 13 Prozent der Sortimente schließen.
- Das Thema beschäftigte die Parlamente über Jahre – bis sich Nationalrat und Ständerat im März 2011 auf ein Gesetz zur Buchpreisbindung einigten.
- Die Gegner setzten daraufhin ein Referendum in Gang: Das letzte Wort hat also das Volk, am 11. März 2012.
- Im Vorfeld organisiert der SBVV für die Wähler eine Kampagne – »JA zum Buch«. Finanziert wird sie zum Großteil aus dem Verbandsvermögen (mit etwa 300 000 Schweizer Franken, ca. 242 000 Euro).