Grimmelshausen-Preis für Ulrike Edschmid

Klarsichtig und ungerührt

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Der Preisregen für Suhrkamp-Autoren reißt nicht ab: Nun erhält Ulrike Edschmid für ihren Roman "Das Verschwinden des Philip S." den Johann-Jacob-Christoph-von-Grimmelshausen-Preis 2013.

Ulrike Edschmid (geb. 1940) schildert in "Das Verschwinden des Philip S." das Leben ihres Freundes Werner Sauber, den sie 1967 in West-Berlin kennenlernt hat. Der Filmstudent entstammt einer Schweizer Unternehmerfamilie, schließt sich einer terroristischen Vereinigung an und kommt 1975 in Köln bei einem Schusswechsel mit der Polizei ums Leben, in dessen Verlauf er den Polizisten Walter Pauli tötet.

"Edschmids Buch bringt etwas Seltenes fertig: Voller Zuneigung erinnert es an den Toten, der für sich selbst nicht mehr eintreten kann, zugleich distanziert es sich von ihm mit größter Deutlichkeit", heißt es in der Begründung der Jury. Ihr Buch vertraue auf die Kunst, von der der Mann, dessen Leben es schildert, sich wissentlich abgewandt hat - "so paradox, so skeptisch und loyal, so zart und diskret, aber gleichzeitig so klarsichtig und ungerührt, so durch und durch künstlerisch, aber gerade darum von hohem zeitgeschichtlichen Erkenntniswert ist kaum ein anderes Buch über die politischen Wirren des 20. Jahrhunderts."

Der Grimmelshausen-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 1993 von den Ländern Baden-Württemberg und Hessen und den Städten Gelnhausen und Renchen vergeben. Laut Statuten werden mit ihm Schriftsteller ausgezeichnet, die in den sechs Jahren vor der Zuerkennung des Preises einen bemerkenswerten Beitrag zur künstlerischen Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte geleistet haben. Bisherige Preisträger sind Ruth Klüger, Alban Nikolai Herbst, Michael Köhlmeier, Robert Menasse, Adolf Muschg, Brigitte Kronauer, Dieter Forte, Feridun Zaimoglu, Reinhard Jirgl und Peter Kurzeck.