Indie-Bestseller der 170 Prolit-Verlage im März

Ulli Lust gleich zweimal auf dem Podium

7. April 2026
Matthias Glatthor

Ulli Lust steht im März mit beiden Bänden ihrer "Die Frau als Mensch"-Reihe auf dem Treppchen der Indie-Bestsellerliste von Prolit. Für Filmfans neu dabei sind die Autobiografie von Charlie Sheen und ein Titel über das Schicksal von Exilanten in Hollywood, die aus Nazi-Deutschland geflohen waren.

Doppelpodium für Ulli Lust

Für Ulli Lust ändert sich die Reihenfolge ihrer beiden bisherigen "Die Frau als Mensch"-Bände, ihrer "groß angelegten Erforschung der Rolle der Frau in der menschlichen Kunst- und Kulturgeschichte", in der März-Liste der meistverkauften Titel der Prolit Verlagsauslieferung. Von Platz 5 im Vormonat auf die Eins klettert der erste Teil "Die Frau als Mensch: Am Anfang der Geschichte" (Reprodukt; ET: Februar 2025), für den Lust 2025 den Deutschen Sachbuchpreis erhalten hatte. Die in der Eiszeit angesiedelte Fortsetzung "Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen" (Reprodukt), die am 23. Februar 2026 erschienen ist, startete im Februar auf dem ersten Platz – einen Monat später rangiert sie auf dem dritten Platz. Mit den zweiten Teil war Ulli Lust für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch nominiert. Lust kommentiere "nachdenklich und manchmal keck von heute aus mit, was Schamaninnen zu einem so lebhaften wie seine Quellen und spekulativen Seiten offenlegenden Comic-Essay macht", meinte die Jury.

Ebenfalls nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der gleichen Kategorie war Jan Jekal mit "Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten. 1941–1953" (Matthes & Seitz Berlin; ET: 26. Februar). Die Jury-Begründung zur Nominierung lautete: "Dieses Buch hat das Zeug zu einem echten Blockbuster. In den Hauptrollen: Stars wie Thomas Mann, Marlene Dietrich oder Bertolt Brecht; eine Handlung voller tragischer Wendungen und großer Gefühle und alles mit viel Tempo und Esprit erzählt. Und ganz nebenbei legt Jan Jekal auch erstaunliche Parallelen zur Gegenwart frei: Geflüchtete wurden selten mit offenen Armen empfangen – selbst Stars nicht." Glänzend und schnörkellos geschrieben, schildere Jekal in seinem Debüt "die Geschichte einer schleichenden Entfremdung von Amerika. Mit feiner Balance zwischen differenzierter Ausgewogenheit und Empathie gegenüber seinen Sujets", urteilte Tobias Sedlmaier in der "Neue Zürcher Zeitung". Neu auf Platz 6 der Prolit-Liste.

Wer letztlich den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch gewonnen hat, lesen Sie in folgender Meldung:

Sheen über Sheen

Die Autobiografie "Das Buch des Charlie Sheen" (Hannibal; ET: das VLB nennt den 16. April; Ü: Alan Tepper) des Schauspielers Charlie Sheen ("Platoon"; "Two And A Half Men"), der für etliche Skandale gut war, startet im März bei Prolit auf Position 7. Sheen erzähle von Abstürzen, dem alltäglichen Chaos und cineastischen Triumphen. Er nehme kein Blatt vor den Mund, zitiert Hannibal aus Variety.com, und Newyorker.com formulierte: "Seine Geschichten des schlechten Benehmens bieten ein unbestreitbares Lesevergnügen."

Panorama menschlicher und politischer Abgründe

Viktor Jerofejew schiebt sich mit seinem aktuellen Roman "Die neue Barbarei" (Matthes & Seitz Berlin; ET: 26. März; Ü: Beate Rausch) neu auf den zehnten Platz der Prolit-Liste. In Zeiten einer neuen Barbarei, da Staats- und Regierungschefs die Welt aufteilen wie Mafiosi, entwerfe Jerofejew ein grell schillerndes Panorama menschlicher und politischer Abgründe, in dem Wahrheit zum Spiel und Moral zur Attitüde wirdEs sei sein radikalstes Buch, so Matthes & Seitz weiter: "Satire, Dichtung und tragikomische Liebeserklärung an ein Russland, das sich selbst verloren hat." Jerofejew entfessle "einen wahren Hexensabbat in der Tradition Bulgakows", schrieb die FAZ.

Auf der Leipziger Buchmesse im März hatte Jerofejew das Buch vorgestellt: 

"Ein (ost-)deutsches Leben in 55 Dingen" führt uns Torsten Harmsen, Jahrgang 1961, in "Broiler, Wimpel, Westpaket" (BeBra Verlag; ET: 3. März) vor Augen. "Ostdeutsche Boomer dürften aus dem Grinsen und Kopfnicken nicht herauskommen, und viele westdeutsche nicht aus dem Staunen", wird Andreas Ulrich (rbb) auf der Verlagswebsite zitiert. Auf der Prolit-Liste vom März kann Harmsen damit auf Anhieb den fünften Rang einstreichen.

Bild

Prolit-Bestseller März 2026

03.03.2026 17:00 Uhr
  1. Cover: Frühlings-Wimmelbuch
    2

Basis dieser monatlichen Bestseller-Liste, die Sie jetzt auch auf Börsenblatt online finden, sind die Verkäufe der 170 Prolit-Verlage von Büchern (alle Warengruppen; HC, PB, TB) und Non-Books im Vormonat.