Streit um Kindle-Abo-Prämie bei der "ZEIT"

"Es geht um Ihre Glaubwürdigkeit"

20. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Kein Frieden in Sicht: Die Abo-Prämie der "Die ZEIT" sorgt weiter für hohen Wellengang. Die Wochenzeitung verspricht Neuabonennten einen Amazon Kindle. Für Isabell Hoffmann, Mitglied der Genossenschaft eBuch, sind auch nach der Stellungnahme von Stefanie Hauer, Verlagsleiterin des Zeit Verlags, noch viele Fragen offen.

Der offene Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrte Frau Hauer,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme zum offenen Brief der ebuch-Genossenschaft. Erlauben Sie mir ein paar Überlegungen dazu.

Ich kann in Ihrer Antwort keinen wirklich stichhaltigen Grund erkennen, der Ihre Neukundenwerbung mithilfe eines Kindle Lesegeräts rechtfertigt.

Aber fangen wir vorne an:

"Wir alle müssen lernen, mit der Dominanz von Amazon umzugehen." Den Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. (Als Buchhändler/in schießt einem sofort durch den Kopf: "Zu viel Shades of Grey gelesen", aber Scherz beiseite.) Als Verlagsleiterin müssen Sie natürlich nicht mit den Inhalten aller Artikel konform gehen. Trotzdem ist es seltsam, Sie so kontraproduktiv zum Inhalt ihrer Zeitung zu erleben, in der es immerhin heißt, in Europa könne der Quasimonopolismus von Amazon noch verhindert werden.

Es ist keinesfalls konsequent, nur weil man die ZEIT auch auf dem Kindle lesen kann, diesen als Aboprämie anzubieten. Denn, wie sie schreiben, bietet die ZEIT ihren Lesern alle Kanäle an. Der an sie gerichtete Vorwurf ist keinesfalls unverhältnismäßig, vielmehr würde ich ihn als konsequent bezeichnen.

Unverhältnismäßig ist vielmehr die Werbung, die ihre Zeitung für den Kindle macht (der fortschrittlichste E- Reader der Welt etc. pp.). Dazu ihre Autoren: "Das ist der Clou der geschlossenen Systeme mit hauseigenen Shops: Wer auf dem Kindle liest, kauft bei Amazon."

Zum Schluss kehren Sie noch die Buchhändlerfreundlichkeit der deutsch-amerikanischen Verlagsgruppe hervor, die am ZEIT-Verlag beteiligt ist. Was, bitte, hat dies mit dieser Sache zu tun?

Im besagten Artikel formulieren die Autoren: "Für Buchhändler und Verleger geht es um alles. Wie engagiert verhält sich die Politik?"

Als Buchhändlerin frage ich mich: Wie engagiert verhält sich sie DIE ZEIT? Klar sind Redaktion und Leser-Service getrennte Bereiche und die eine Hand weiß bei Ihnen nicht nur nicht, was die andere macht, sondern lässt sich auch nicht durch diese beeinflussen.

Wie verquer das auch immer ist, es geht hier nicht um eine Handlung, sondern um eine politische Position, die sich DIE ZEIT durch besagten Artikel auf ihre Fahne schreibt und es geht um ihre Glaubwürdigkeit.

Keiner will oder kann Ihnen vorschreiben, welche Aboprämie Sie anbieten. Ebensowenig handelt es sich hier um das soundsovielte amazon Bashing. Ich hätte niemals mein ZEIT-Abo gekündigt, nur weil Sie den Kindle als Aboprämie anbieten, ebensowenig, wie ich aus diesem Grund meine Bank wechseln würde.

Aber engagierte Leser/innen der ZEIT und Buchhändler/innnen können sehr wohl verlangen, dass eine solche Diskrepanz thematisiert und aufgelöst wird.

Ich bitte Sie, sich das durch den Kopf gehen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Isabell Hoffmann"