Sony gibt ReaderStore in den USA und Kanada auf

Kunden kommen in den Kobo-Kosmos

16. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Sonys kostspieligem Umbau fällt die eigene E-Book-Sparte zum Opfer: Der japanische E-Reading-Pionier gibt das Inhaltegeschäft in die Hände von Kobo, zumindest in den USA und Kanada. Ab Ende März soll Kobo die Besitzer von Sony-Geräten mit Inhalten versorgen.
Es gibt eine Exit-Strategie: Es soll einen „reibungslosen Übergang" für die Besitzer der Sony-Tablets, Reader und Xperia-Geräte geben, wenn Sony sein offenbar nicht lukratives Inhaltegeschäft an den Konkurrenten Kobo verkauft. Das versichert Ken Orii, stellvertretender Chef der E-Reading-Sparte beim japanischen Technologie-Konzern. Europäische Kunden sind vorerst nicht betroffen.

Sony in der Klemme

Sony hatte kürzlich bekannt gegeben, sich von seiner Computersparte Vaio zu trennen – das „Handelsblatt" sieht als Grund einen massiven Finanzierungsbedarf für die Sanierung des Konzerns. Im laufenden Geschäftsjahr erwarte Sony statt eines erhofften Gewinns nun rote Zahlen von rund 800 Millionen Euro. Auch die seit langem unrentable Produktion von Fernsehern soll in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden.

In den USA standen mit den geschlossenen Systemen von Amazon und Apple zu starke Konkurrenten für die Japaner im Feld. Der Preiskampf im Digitalsektor wird ohne Preisbindung entsprechend hart geführt – wie auch die Kartellklage gegen Apple zeigt – dieser Kostendruck gilt auch als eine Ursache für die Pleite des Buchhandelsriesen Borders.

Freude bereiten Sony derzeit die Rekordumsätze bei der Spielekonsole PS4 – im Gegensatz zur Playstation ist allerdings fraglich, ob Sony weiterhin wie bisher in die Entwicklung von E-Readern investiert. Mit dem PRS-T3 hat das Unternehmen in Deutschland sich gegen Amazons Kindle-Reihe und E-Reader mit integrierter Beleuchtung und die Tolino-Allianz schwer getan. In den USA war Sony mit dem PRS-T3 gar nicht erst angetreten.

„Kobo und Sony werden gemeinsam mehr Menschen als jemals zuvor" teilt Takahito Aiki, neuer CEO von Kobo mit. Kobo kann sein Kundennetz so auf einen Schlag erweitern: Derzeit werden weltweit 18 Millionen Leser von Kobo bedient – vier Millionen E-Books stehen im Shop zur Verfügung.

Der Wechsel von Sony zu Kobo

Im März sollen die Sony-Kunden eine E-Mail mit einer Anleitung zum Wechsel erhalten. Mit wenigen Klicks wird die „Migration" der Bibliothek und des Kundenkontos zu Kobo versprochen. Auch ein FAQ steht bereits online.