Authors United druckt Amazon-Protestanzeige in der “New York Times”

Der Zorn der Autoren

16. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Die von Douglas Preston initiierte Anti-Amazon-Initiative Authors United ist einen Schritt weiter: In der "New York Times" erschien gestern ihre bereits angekündigte Protestanzeige − sie wurde von 909 Autoren unterzeichnet. Die Autoren protestieren gegen die Geschäftspolitik des Konzerns, kritisieren, dass Amazon sie finanziell schädigt, und fordern die Leser der Anzeige auf: Schreibt an Jeff Bezos.   

Amazon-Chef Jeff Bezos wird in den nächsten Tagen vermutlich einige E-Mails mehr in seinem elektronischen Briefkasten haben als üblich. Die Mitglieder der Vereinigung Autors United erklären via New York Times (10. August) nicht nur, was sie am Disput mit Hachette so zornig macht, sondern rufen ihre Leser zugleich auf, in dieser Sache selbst aktiv zu werden − sich per E-Mail an Bezos zu wenden. "Wir hoffen, dass wir, Autoren und Leser gemeinsam, in der Lage sein werden, seine Haltung zu ändern" (Brief von Authors United im vollen Wortlaut).

Zu den 909 Autoren, die sich diese Art von Engagement von ihren Leser wünschen, gehören u.a. Paul Auster und seine Frau Siri Hustvedt, Stephen King, Jonathan Littell, Sara Paretsky, James Patterson, Nora Roberts und George Saunders. Der Großteil der Unterzeichner des Leser-Aufrufs veröffentlicht seine Werke in einem Verlag der Hachette-Gruppe − zumindest sie sehen sich finanziell durch den Disput zwischen Amazon und Hachette geschädigt. Und stellen in Zweifel, dass es Amazon tatsächlich darum geht, das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt (Amazon-Eigenwerbung) zu sein; viel eher sei es so: Amazon führe seine Kunden mit seiner Preisgestaltung und der verzögerten Buch-Auslieferung in die Irre.    

 

Amazon nimmt Selfpublisher und Kunden in die Pflicht: Schreibt an Michael Pietsch!

Amazon reagiert darauf auf eigene Weise: Autoren, die als Selfpublisher (Kindle Direct Publishing) mit dem Konzern verbunden sind, werden angehalten, sich in den Streit einzuschalten und umgekehrt bei Hachette-CEO Michael Pietsch für ein volles Postfach zu sorgen: Laut" Publishers Weekly" erhofft sich Amazon in der Folge eine Debatte über (zu) hohe E-Book-Preise. Auch Leser bittet der Konzern um Mithilfe (seit Freitag vergangener Woche, über die neu gelaunchte Website readersunited.com).

Die ersten E-Mails hat Pietsch übers Wochenende bereits erhalten − und beantwortet. "Publishers Weekly" zufolge erklärt er sich den KDP-Autoren und Amazon-Kunden mit einigen Fakten, versucht damit, dem Konzern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Argumente von Pietsch, u.a:

  • Hachette lege die Preise selbst fest, nicht in Absprache mit irgendjemand.
  • Die E-Book-Preise lägen deutlich unter den Print-Preisen (eines bestimmten Titels); damit reagiere man auf niedrigere Produktions- und Versandkosten.    
  • Mehr als 80 Prozent der E-Books von Hachette kosteten weniger als 9,99 Dollar. E-Books, die teurer wären − meist liege der Preis bei 11,99 oder 12,99 Dollar − kosteten de facto weniger als die Hälfte (im Vergleich zur Printausgabe). Für diese höherpreisigen E-Books gelte jedoch: Sobald die Taschenbuchausgabe erscheint, werden sie günstiger.