Mit anderen Worten: Bis das tatsächlich so kommt, müssen Veränderungen abgeschlossen sein, die jetzt noch gar nicht begonnen haben. Aber die rund 100 Teilnehmer der Zukunftskonferenz 2014 hatten am Freitag ihre Freude daran, in einer Mischung aus Prognose und Vision ein solches Bild ihres Interessenverbands zu entwerfen.
Fast allen Vorstellungen gemein war die Überwindung der Dreispartigkeit zugunsten zeitgemäßer, themenzentrierter, dynamischer Organisationsformen – ob sie nun Taskforce, Kommission, Arbeitsgruppe oder Runder Tisch genannt werden mögen. Durchgängig vertreten war auch ein Element der Öffnung hin zu einem komplexer gewordenen Markt. Dessen vielfältig spezialisierte Akteure sollen im Prinzip alle für eine Mitgliedschaft in einem Verband in Frage kommen, der seinen Anspruch auf die Gesamtvertretung der Buchbranche nicht aufgeben will. Man fühle sich zuständig, so hieß es in einer der futuristischen Tagesschau-Meldungen, „für den Erfolg aller Marktpartner zu arbeiten, die Wissen und Unterhaltung erschließen“.
Die Modifikation dieses Ansatzes präsentierte eine weitere Gruppe, die das Bild einer Dachorganisation Börsenverein zeichnete mit darunter versammelten Einzelverbänden, die gegebenenfalls Aufgaben an den Börsenverein delegieren, beispielsweise die Ausrichtung von Kulturpreisen.
In den „Schatzkästlein“, die einige Arbeitsgruppen coram publico des Plenums öffneten, fand sich zum Beispiel ein Brief aus dem Jahr 2024, in dem berichtet wird, dass zehn Jahre nach der „legendären Seckbacher Konferenz“ die DNA der Branche entschlüsselt sei: „Es ist Denkstoff, der uns zusammenhält.“
Die ganze Fülle weiterer Ideen und Inspirationen für den Bau an der Verbands- und Branchenzukunft kann hier nicht en detail referiert werden. Für alle, die spätestens jetzt neugierig auf die Ergebnisse der Zukunftskonferenz 2014 geworden sind: Die ausführliche Dokumentation der Ergebnisse gibt es in Kürze auf der Webseite der Konferenz – www.zukunftskonferenz.org. Dort kann auch weiter diskutiert werden.
DeGruyter-Chef Sven Fund mahnte eine zügige Umsetzung der Reformvorschläge an. Verbandschef Alexander Skipis will jedenfalls Tempo machen: Noch in der September-Sitzung des Vorstands wolle man die Ergebnisse aus Seckbach präsentieren und die nächsten Schritte besprechen. Bereits auf der Hauptversammlung 2015 in Berlin, so Skipis, sollten „erste, Weichen stellende Entscheidungen für die Verbandsreform getroffen werden“. Es wird, so viel scheint nach den zwei Frankfurter Zukunftstagen klar, in jedem Fall ein Reformprozess werden, dessen maßgebliche Impulse von den Mitgliedern ausgehen. Wie sieht der Börsenverein 2020 aus? Die Diskussion ist eröffnet.
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