40. Litprom-Bestenliste "Weltempfänger"

Syrische Facetten

Die Litprom-Bestenliste Weltempfänger vom Herbst führen zwei syrische Autoren an: Dima Wannous und Khaled Khalifa, die sich ihrem Land auf unterschiedliche Weise nähern. Empfohlen werden zudem fünf weitere, ins Deutsche übersetzte Titel von Autoren aus Japan, Argentinien, Pakistan, Mexiko und Brasilien.

Auf Platz 1 steht Dima Wannous mit "Die Verängstigten" (Blessing; aus dem Arabischen von Larissa Bender). Juror Thomas Wörtche schreibt: "50 Jahre Terrorregime und Krieg in Syrien haben Angst zum wesentlichen Faktor des Lebens und Überlebens gemacht. Sie produzieren Angst vor der Angst, die wiederum richtet psychosomatische Verheerungen an". Wannous transferiere diesen Mechanismus in verdichtete, komplexe Prosa.

Der zweitplatzierte Syrien-Roman Khaled Khalifas "Der Tod ist ein mühseliges Geschäft" (Rowohlt; aus dem Arabischen von Hartmut Fähndirch) sei ein "grotesker und vielschichtiger Roman", so Juror Andreas Fanizadeh, "das Dokument eines Infernos", das sich gekonnt mit den Mitteln der Literatur den tagtäglichen Zumutungen widersetze. Und Khalifa mache Hoffnung auf ein anderes Syrien, dessen Zeit noch kommen werde. Auf dem dritten Rang liegt die Japanerin Nanae Aoyama mit "Bruchstücke" (Cass; aus dem Japanischen von Katja Busson und Frieder Lommatzsch) − mit drei untergründigen Geschichten aus dem Alltag.

Die weiteren Plätze:

  • Claudia Piñeiro (Argentinien): "Der Privatsekretär" (Unionsverlag; aus dem Spanischen von Peter Kultzen)
  • Kamila Shamsie (Pakistan/Großbritannien): "Hausbrand" (Berlin Verlag; aus dem Englischen von Nikolaus Hansen)
  • Antonio Ruiz-Camacho (Mexiko/USA): "Denn sie sterben jung" (C.H. Beck; aus dem Englischen von Johann Christoph Maass)
  • Joaquim Maria Machado de Assis (Brasilien): "Das babylonische Wörterbuch" (Manesse; aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis und Melanie P. Strasser).

Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh, Claudia Kramatschek, Ulrich Noller, Ruthard Stäblein, Insa Wilke und Thomas Wörtche.

Die Jurorin Katharina Borchardt empfiehlt für eine Übersetzung ins Deutsche: Die Anthologie "Wild Mustard. New Voices from Vietnam", herausgegeben von Charles Waugh, Lien Nguyen and Van Giá (Vietnam/USA) und erschienen bei Curbstone Books 2017: "Ständig in Bewegung – das ist Vietnam seit der marktwirtschaftlichen Öffnung 1986. Umtriebig sind daher auch die Figuren in den neunzehn jungen, frischen Geschichten dieser Anthologie. Auch eine Erzählung der diesjährigen LiBeraturpreisträgerin Nguyen Ngoc Tu ist dabei. Ihre Hauptfigur: eine Tramperin."

Der "Weltempfänger" Nr. 40 / Herbst 2018 steht als PDF zum Download zur Verfügung und kann auch als Plakat bei Litprom angefordert werden: litprom@book-fair.com − Litprom, die Geschäftsstelle ist in Frankfurt, will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Ein Mittel unter vielen ist dabei der "Weltempfänger".

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