Bertelsmann Bilanzpressekonferenz 2018

Rabe glaubt fest an das Buch

Der Medienkonzern Bertelsmann hat 2017 seinen Umsatz um 1,4 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis (EBITDA) erreichte mit 2,6 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Der Umsatz von Penguin Random House blieb mit 3,4 Milliarden Euro stabil.

Der Ausbau der Digital- und Wachstumsgeschäfte zahlt sich für Bertelsmann weiter aus: Das internationale Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen verzeichnete im Geschäftsjahr 2017 ein Umsatzplus, das stärkste organische Wachstum seit fünf Jahren, ein operatives Rekordergebnis sowie ein weiter verbessertes Konzernergebnis.

Optimistischer Ausblick auf das Buchgeschäft
Zu den strategischen Fortschritten von Bertelsmann zählte 2017 unter anderem die Aufstockung des Anteils an der weltweit größten Publikumsverlagsgruppe, Penguin Random House, auf eine Dreiviertelmehrheit. Hierdurch hält der Konzern Mehrheiten von 75 Prozent bzw. 100 Prozent an allen seinen Unternehmensbereichen. Der Umsatz von PRH blieb mit 3,4 Milliarden Euro nahezu stabil (minus 0,1 Prozent).

Thomas Rabe unterstrich bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin die Bedeutung des Buchgeschäfts für Bertelsmann; Markus Dohle, CEO von Penguin Random House (PRH), sagte, dass PRH-Autoren die wichtigsten internationalen Literaturpreise errungen hätten. Für dieses Jahr kündigte Dohle weitere Akquisitionen an. So wolle man die Mehrheit an der Verlagsgruppe Grupo Companhia das Letras in Brasilien erwerben. Dohle glaubt fest an das Erzählen und Konsumieren von Geschichten und sieht daher große Perspektiven für das digitale und Print-Buchgeschäft weltweit. Der Anteil digitaler Bücher liege in Schwellenmärkten bei fünf Prozent oder weniger, in den USA bei 25 Prozent und in Deutschland bei 15 Prozent, so Dohle auf Nachfrage. Weltweit liege das Verhältnis bei 80 zu 20 Prozent.

Bertelsmann steigerte seinen Umsatz im Berichtszeitraum um 1,4 Prozent auf 17,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 17,0 Mrd. Euro). Maßgebliche Treiber waren die RTL Group, das Musikunternehmen BMG, das erstmals mehr als 500 Mio. Euro umsetzte, die Dienstleistungstochter Arvato sowie die in der Bertelsmann Education Group gebündelten Bildungsaktivitäten. Das organische Wachstum des Konzerns betrug 1,7 Prozent; die Wachstumsgeschäfte legten organisch um fünf Prozent zu. Sie erwirtschafteten damit einen Anteil von 32 Prozent am Gesamtumsatz; der Umsatzanteil der Digitalaktivitäten stieg auf 46 Prozent.

Das Operating EBITDA übertraf mit 2,64 Mrd. Euro den Rekordwert des Vorjahres (2,57 Mrd. Euro) noch einmal um 2,7 Prozent. Positiv entwickelten sich dabei besonders die RTL Group, Gruner + Jahr, BMG und die Bertelsmann Education Group. Die EBITDA-Marge erhöhte sich auf 15,3 Prozent (Vorjahr: 15,2 Prozent). Das Konzernergebnis überstieg ebenfalls den Vorjahreswert und verbesserte sich auf rund 1,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,1 Mrd. Euro). Gründe für die positive Entwicklung sind das höhere operative Ergebnis sowie geringere Sondereinflüsse als 2016.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

  • Umsatzanstieg auf 17,2 Mrd. Euro dank verbesserten organischen Wachstums
  • Operating EBITDA erreicht Rekordwert von mehr als 2,6 Mrd. Euro
  • Konzernergebnis mit knapp 1,2 Mrd. Euro auf höchstem Niveau seit 2006
  • Durch Anteilsaufstockung an Penguin Random House strategische Mehrheiten an allen Unternehmensbereichen erreicht
  • Wirtschaftliche Investitionen in Höhe von 1,8 Mrd. Euro
  • Umsatzanteil der Wachstumsgeschäfte auf 32 Prozent erhöht; Digitalaktivitäten erwirtschaften 46 Prozent des Gesamtumsatzes
  • Vergleichbare regulatorische Rahmenbedingungen für Technologie-Plattformen und Medienunternehmen gefordert

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, sagte: "Bertelsmann ist heute so wachstumsstark und profitabel wie seit Jahren nicht; wir wachsen verstärkt aus eigener Kraft. Treiber dieser Entwicklung sind dabei unsere Wachstums- und Digitalgeschäfte, in die wir in den vergangenen Jahren 4,6 Milliarden Euro investiert haben. Unsere Geschäftszahlen für 2017 verdeutlichen einmal mehr, dass sich dieser Ausbau bezahlt macht. Beinahe die Hälfte unseres Umsatzes kommt aus digitalen Geschäften – Tendenz steigend. Das Unternehmen wird kontinuierlich wachstumsstärker, digitaler, internationaler und diversifizierter. Diese Entwicklung setzen wir in den kommenden Jahren durch weitere Investitionen sowie verstärktes organisches Wachstum fort."

Der Umsatzbeitrag wachstumsstarker Geschäfte erreichte im vergangenen Jahr 32 Prozent (2011: 20 Prozent). In den kommenden Jahren soll dieser auf mehr als 40 Prozent steigen. Zu den Wachstumsgeschäften von Bertelsmann gehören die Digitalaktivitäten der RTL Group sowie von Gruner + Jahr, Fremantle Media, BMG, die Logistik- und Finanzdienstleistungsgeschäfte von Arvato sowie die Bertelsmann Education Group. Der Umsatzanteil strukturell rückläufiger Geschäfte ging dagegen in den vergangenen Jahren von 16 Prozent (2011) auf aktuell rund vier Prozent zurück.

Der Umsatzanteil der Digitalaktivitäten von Bertelsmann erhöhte sich 2017 auf 46 Prozent (2011: 30 Prozent). Hierzu trugen unter anderem die wachsenden Digitalgeschäfte der RTL Group und von Gruner + Jahr, die Dienstleistungen von Arvato für Hightech-Konzerne sowie BMG und die digitalen Bildungsaktivitäten von Bertelsmann bei. Der Anteil der Digitalumsätze stieg erneut über alle Erlöskategorien, ob digitale Werbung, Produkte, Verbreitung, Vertrieb oder Kunden. In den kommenden Jahren soll der Digitalanteil des Konzernumsatzes auf über 50 Prozent steigen.

Seine internationale Präsenz hat Bertelsmann in den vergangenen Jahren ebenfalls ausgeweitet: 2017 erwirtschaftete das Unternehmen 27 Prozent seiner Umsätze außerhalb Europas (2011: 20 Prozent). Der Umsatz von Bertelsmann dort ist damit seit 2011 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Im Fokus der regionalen Expansion stehen für Bertelsmann dabei Brasilien, China und Indien sowie die USA, die bereits heute den zweitgrößten Markt für den Konzern bilden.

Thomas Rabe betonte, dass Bertelsmann 2017 in allen vier strategischen StoßrichtungenStärkung der Kerngeschäfte, digitale Transformation, Ausbau von Wachstumsplattformen und Expansion in Wachstumsregionen – deutlich vorangekommen sei.

20 Milliarden Euro Umsatz angepeilt
Als Wachstumsziele nannte Rabe bei der Bilanzpressekonferenz einen Umsatz von 20 Milliarden Euro, ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 3,0 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis, das über einer Milliarde Euro liege.


Stärkung Kerngeschäfte
Die Senderfamilien der RTL Group verlängerten wichtige Programmverträge wie die Formel 1 in Deutschland und bauten ihre Werbemarktanteile hier sowie in Frankreich aus. Penguin Random House erzielte weltweit kreative Erfolge und platzierte 461 Titel auf den Bestseller-Listen der „New York Times“. Zu den meistverkauften Titeln gehörten in den USA die Bücher „Wonder“ von R. J. Palacio sowie „Origin“ von Dan Brown. Gruner + Jahr startete neue Zeitschriften wie „Hygge“ und „Ideat“; die gemeinsam mit der Mediengruppe RTL Deutschland betriebene Ad Alliance entwickelte sich erfolgreich. Arvato verlängerte Verträge mit wichtigen Kunden, und die Betriebe der Bertelsmann Printing Group konnten im Jahresverlauf eine gute Auslastung verzeichnen.

Digitale Transformation
Die RTL Group übernahm SpotX komplett und kündigte an, den Werbetechnologieanbieter gemeinsam mit dem Unternehmen Smartclip bis Ende 2018 zusammenzuführen, um eine digitale Werbevermarktungsplattform zu schaffen. Die Online-Erlöse der RTL Group stiegen 2017 um 23 Prozent. Auch die Digitalerlöse von Gruner + Jahr legten in den Kernmärkten Deutschland und Frankreich deutlich zu, darüber hinaus erzielten die Online-Angebote von „Stern“, „Brigitte“ und „Gala“ jeweils Reichweitenrekorde. Arvato verzeichnete Wachstum mit Dienstleistungen für digitale Kunden. Mit ihren Social-Media-Angeboten erreichen die Bertelsmann-Unternehmen inzwischen weltweit mehr als 2,4 Mrd. Follower. Insgesamt erreicht Bertelsmann weltweit mehr als eine Milliarde Menschen täglich.

Wachstumsplattformen
Fremantle Media verzeichnete 2017 internationale Zuschauererfolge, insbesondere mit der Serie „American Gods“, die über den Videodienst Amazon Prime in mehr als 200 Ländern zu sehen war. BMG sicherte sich durch den Erwerb der BBR Music Group eine relevante Position im Country-Music-Markt und nahm renommierte Künstler – beispielsweise Avril Lavigne, Fergie und Kylie Minogue – unter Vertrag. Arvato baute seine Supply-Chain-Management- und Finanzdienstleistungen weiter aus. Im Bildungsbereich wuchs die Bertelsmann-E-Learning-Tochter Relias organisch und akquisitorisch. Die Weiterbildungsplattform Udacity, an der Bertelsmann beteiligt ist, verdreifachte dank neuer Nanodegrees die Zahl der Studenten auf rund 50.000.
Wachstumsregionen: Über seine vier Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI), Bertelsmann Brazil Investments (BBI), Bertelsmann India Investments (BII) und Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI) tätigte der Konzern mehr als 40 Neu- sowie diverse Folgeinvestitionen in junge Unternehmen. Weltweit hält Bertelsmann über seine Fonds damit inzwischen mehr als 160 Beteiligungen. Auch die anderen Konzernbereiche weiteten ihre Aktivitäten in den Wachstumsregionen aus: Arvato stockte in Brasilien seine Anteile am Finanzdienstleister Intervalor auf; Relias baute sein Angebot in China aus.

Ein strategischer Fokus im laufenden Jahr ist für Bertelsmann die Prüfung strategischer Optionen für den Bereich Customer Relationship Management (CRM) von Arvato. Das Unternehmen hatte im Januar bekanntgegeben, einen entsprechenden Prozess zu starten, der neben Partnerschaften auch den kompletten oder teilweisen Verkauf der CRM-Geschäfte einschließt. Mit einem Abschluss der Prüfung rechnet der Konzern im zweiten Halbjahr 2018. Das CRM-Geschäft im französischsprachigen Raum wird auch in Zukunft von Bertelsmann geführt.

Thomas Rabe: "Ein Thema mit hoher strategischer Relevanz ist der Wettbewerb mit den globalen Tech-Plattformen. Wettbewerb ist gut, und wir stellen uns den neuen Spielern – mit einigem Erfolg. Wir investieren jedes Jahr rund fünf Milliarden Euro in Premium-Inhalte. Wir bieten unseren Kunden hohe Reichweiten und sichere Werbeumfelder. Wir haben unsere digitalen Fähigkeiten deutlich erweitert, etwa in den Bereichen Online-Video und Werbetechnologie. Und wir arbeiten, wo es sich anbietet, eng mit den Plattformen zusammen. Was aktuell fehlt, ist Wettbewerbsgleichheit zwischen den Tech-Plattformen und den Medienunternehmen aufgrund ungleicher Regulierung, etwa bei der Anwendung von Wettbewerbsrecht oder der Regulierung der Werbemärkte."

Der fortgeführte Geschäftsausbau von Bertelsmann resultierte 2017 in einem hohen Investitionsvolumen; die wirtschaftlichen Investitionen erhöhten sich auf knapp 1,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,3 Mrd. Euro). Neben dem Erwerb weiterer Anteile an Penguin Random House und SpotX akquirierte Bertelsmann im Geschäftsjahr unter anderem die BBR Music Group sowie die Buchverlagsgruppe Ediciones B. Dazu kamen Investitionen in Musikkataloge sowie Filmrechtepakete. Außerdem beteiligte sich Bertelsmann Investments im vergangenen Jahr an mehr als 40 innovativen Unternehmen; seit 2012 hat Bertelsmann allein über seine vier Investmentfonds mehr als 600 Mio. Euro investiert.

Bernd Hirsch, Finanzvorstand von Bertelsmann, sagte: „Wir haben unsere Finanzierungsziele im vergangenen Jahr eingehalten – und dies trotz der hohen Investitionen einschließlich der Anteilsaufstockung an Penguin Random House. Unser dynamischer Verschuldungsgrad, der sogenannte Leverage Factor, liegt mit 2,5 innerhalb unseres Zielkorridors. Die finanzielle Position von Bertelsmann ist weiter solide; wir verfügen über eine starke operative Mittelfreisetzung. Diese werden wir nutzen, um auch im laufenden Jahr weiter in unsere Digital- und Wachstumsgeschäfte zu investieren.“

Das Eigenkapital von Bertelsmann reduzierte sich im Geschäftsjahr 2017 auf 9,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 9,9 Mrd. Euro). Der Rückgang resultiert im Wesentlichen aus den Kaufpreiszahlungen im Zusammenhang mit den Anteilsaufstockungen an Penguin Random House und SpotX sowie der Auszahlung einer Sonderdividende an den Mitgesellschafter Pearson. Die Eigenkapitalquote erreichte 38,5 Prozent (Vorjahr: 41,6 Prozent).
Die Nettofinanzschulden erhöhten sich überwiegend durch die Finanzierung der Anteilsaufstockung an Penguin Random House auf 3,5 Mrd. Euro (Vorjahr: 2,6 Mrd. Euro). Die weiter gefassten wirtschaftlichen Schulden stiegen dementsprechend ebenfalls und betrugen zum 31. Dezember 2017 rund 6,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 5,9 Mrd. Euro). Der bereinigte Operating Free Cash Flow stieg dagegen auf 1,82 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,80 Mrd. Euro).

Die Mitarbeiter von Bertelsmann erhalten für das abgelaufene Geschäftsjahr Gewinn- und Erfolgsbeteiligungen in Höhe von insgesamt 105 Mio. Euro (Vorjahr: 105 Mio. Euro).

Weitere Eckwerte
Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus der betrieblichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 1,64 Mrd. Euro generiert (Vorjahr: 1,95 Mrd. Euro). Der bereinigte Operating Free Cash Flow betrug 1,82 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,80 Mrd. Euro), die bereinigte Cash Conversion Rate lag bei 92 Prozent (Vorjahr: 93 Prozent).

Bilanzsumme
Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2017 blieb mit 23,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 23,8 Mrd. Euro) nahezu stabil. Die liquiden Mittel lagen bei 1,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,4 Mrd. Euro). Das Eigenkapital reduzierte sich – im Wesentlichen bedingt durch die Anteilsaufstockung an Penguin Random House sowie die Auszahlung einer Sonderdividende an den Mitgesellschafter Pearson – auf 9,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 9,9 Mrd. Euro). Die Eigenkapitalquote lag bei 38,5 Prozent (Vorjahr: 41,6 Prozent).

Investitionen
Die wirtschaftlichen Investitionen erhöhten sich im Geschäftsjahr auf 1,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,3 Mrd. Euro). Bertelsmann stockte im Berichtszeitraum unter anderem seinen Anteil an Penguin Random House auf eine strategische Dreiviertelmehrheit auf. Weitere Investitionen entfielen auf Sachanlagen bei Arvato, den Erwerb von Filmrechten bei der RTL Group sowie von Musikkatalogen bei BMG.

Mitarbeiter
Zum Ende des Geschäftsjahres 2017 beschäftigte der Konzern weltweit 119.089 Mitarbeiter. Im Jahr 2017 absolvierten 1.225 Personen eine Berufsausbildung in den inländischen Bertelsmann-Unternehmen.

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