Die Sonntagsfrage

"Nomenklatur der Farben – wie funktioniert das eigentlich drucktechnisch?"

Im Haupt Verlag erscheint am 10. September die im 18. Jahrhundert von Abraham Gottlob Werner entworfene "Nomenklatur der Farben". Brillante Farbtafeln, kolorierte Beispiele – ein lehrreicher Augenschmaus. Wie funktioniert das drucktechnisch? Was muss man beachten? Und ist das eigentlich teuer? Regine Balmer, Programmleiterin des Haupt Verlags, beantwortet die Sonntagsfrage.

Regine Balmer

Regine Balmer © Serge Petrillo

"Werners Nomenklatur der Farben" ist nicht nur bezüglich seiner Geschichte und der Ästhetik ein besonderes Buch, sondern stellt auch im deutschen Buchmarkt eher einen Ausnahmefall dar: Es ist halb Faksimile, halb Neuausgabe – von der Anmutung sieht das Buch aus wie der Reprint einer alten Ausgabe, die es in deutscher Sprache aber gar nie gab. Die englische Originalausgabe erschien 1814 und wurde als Faksimile im Frühjahr 2018 vom Natural History Museum London herausgegeben.

Vom Charme dieses Buches waren wir begeistert und wir entschieden, dieses Werk erstmals auf Deutsch herauszugeben. Die Farbtafeln, das eigentliche Kernstück des Buches, sind identisch mit der englischen Faksimile-Ausgabe, die Beschreibungen der Farben und die Beispiele zu jedem Farbton sind ins Deutsche übertragen worden.

Drucktechnisch interessant ist die Geschichte der Farbtafeln: In der Originalausgabe aus dem 19. Jahrhundert wurden auf die Farbseiten briefmarkengroße, handgemalte Farbmuster eingeklebt. Wahrscheinlich wurden große, flächig bemalte Farbbögen zerschnitten. Das ist der eine Grund für die Farbunterschiede zwischen den verschiedenen Exemplaren der Originalausgabe, die dem Reprint zugrunde liegen. Die Farbflächen können durchaus gewisse Farbnuancierungen aufgewiesen haben.

Ein anderer Grund für die Farbunterschiede liegt in den Farben selbst, in instabilen Pigmenten, die sich im Laufe von 200 Jahren veränderten und/oder mit der chemischen Zusammensetzung des Papiers reagierten. Das Ziel des Reprints war es, die Farben der vorhandenen Originalausgabe möglichst gut wiederzugeben – auch wenn dabei gewisse Farben eindeutig verändert waren, was in manchen Fällen zu deutlichen Abweichungen von Beschreibung und Farbquadrat führt. So zeigt sich die Farbe 45, gemäß Beschreibung ein Blassblauviolett, wie es bei Porzellanjaspis vorkommt, heute als ein sehr dunkles Grau, und die Farbe 87, das Arterienblutrot, welches beispielsweise als leuchtend roter Fleck den Kopf des männlichen Stieglitzes ziert, mutierte im Laufe der Zeit zu Rotbraun. Dem Charme des Buches tut das keinen Abbruch, meinen wir.

Drei Originalausgaben lagen vor, zwei Exemplare aus dem Archiv des Natural History Museum London, ein digitalisiertes Exemplar aus dem Getty Museum. Die Seiten der Londoner Exemplare wurden fotografiert und dann jeder einzelne Farbton minutiös mit den drei Originalen verglichen. Der anschließende Proofing-Prozess zielte darauf ab, die einzelnen Farben möglichst dem Farbcharakter der vorhandenen Originalausgaben entsprechend in CMYK-Druckdaten zu übertragen. Ein großer Aufwand, der sich gelohnt hat!

 

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