Ehrenglauser 2018 an Edith Kneifl

"Abseits gängiger Erwartungen"

Die in Wien lebende Schriftstellerin Edith Kneifl erhält den Ehrenglauser 2018 der Autorengruppe Syndikat − für ihr literarischen Schaffens im Bereich Kriminalliteratur sowie ihr Engagements für die deutschsprachige Kriminalliteratur.

Edith Kneifl

Edith Kneifl © Regine Hendrich

Gleich mit ihrem ersten Roman "Zwischen zwei Nächten" (1991) habe Edith Kneifl zwei Premieren geschafft, so die Jury: Sie wurde als erste Frau mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten Roman ausgezeichnet, der auch erstmals nach Österreich ging. "Bereits dieser Erstling war symptomatisch für das weitere Oeuvre von Edith Kneifl, denn er entsprach nicht den gängigen Krimiusancen. Und so war es in weiterer Folge typisch für sie, sich zum großen Teil dem Schreiben von Serien zu verweigern", so die Jury. Verbindende Elemente ihrer Romane, die an unterschiedlichen Schauplätzen spielen, seien "die Abrechnung mit Menschen, die unter Hybris leiden, die Auseinandersetzung mit Feminismus und Geschlechterverhältnis und der bitteren Erkenntnis, dass manche Menschen besser tot als lebendig sind." Kneifl könne als Beispiel für einen Menschen gesehen werden, der seinen Weg jenseits der gängigen Erwartungen geht und trotzdem Erfolg hat.

"Zwischen zwei Nächten" sei der Startschuss für eine beeindruckend produktive Karriere gewesen: Neben 22 Romanen schrieb Kneifl auch zwei Kettenromane, rund 100 Kriminalerzählungen, zehn Erzählungen, Aufsätze und Essays sowie ein Kunstbuch. Außerdem zeichnete sie als Herausgeberin für dreizehn Kriminalanthologien und drei Frauenkriminalanthologien verantwortlich.

Seit Beginn ihrer Karriere setzte sich Kneifl "mit lauter Stimme dafür ein, dass der Kriminalroman die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommt", so die Jury weiter: "Ein Teilaspekt ist dabei die Förderung von Kolleginnen und Kollegen, sei es durch deren Einbindung in ihre Anthologien, durch antreibendes Engagement bei Krimigruppen wie den Krimiautorinnen Österreich, durch tatkräftige Mithilfe beim Etablieren neuer Krimievents oder aktives Netzwerken wie die Vermittlungen zwischen KollegInnen und Verlagen."

Edith Kneifl wurde am 1. Januar 1954 geboren und wuchs in Lenzing/Oberösterreich auf. An der Universität Wien promovierte sie 1980 in Psychologie und Ethnologie. Anschließend arbeitete sie bei der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Behandlung frauenspezifischer Angelegenheiten im Bereich des Unterrichtswesens (1980−1981). Daneben engagierte sie sich bis 1983 als Organisatorin bei "Künstler für den Frieden" und war als Journalistin im österreichischen Dokumentations- und Informationszentrum tätig (1982−1984). Seit damals ist ihr Hauptwohnsitz Wien. In späteren Jahren ließ sie sich zur Psychoanalytikerin ausbilden.

Die Preisverleihung findet am Samstag, dem 5. Mai während der 32. CRIMINALE, dem Jahrestreffen des Syndikats, in Halle überreicht.

Zum Ehrenglauser

Der Ehrenpreis der Autoren wird vom Syndikat für besondere Verdienste um den deutschsprachigen Kriminalroman verliehen. Er ist nicht dotiert und versteht sich als Würdigung der Autoren für Arbeit und Werk einer Kollegin oder eines Kollegen.

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