Ermäßigte Mehrwertsteuer für Bücher

Steuerberaterverband fordert Abschaffung

Im Rahmen des EU-Konsultationsprozesses über ermäßigte Steuersätze auch für E-Books, hat der Deutsche Steuerberaterverband einen überraschenden Vorschlag zur "Vereinfachung" eingebracht: Danach soll es einen einheitlichen Steuersatz für gedruckte Bücher und E-Books geben − allerdings ohne Ermäßigung zum allgemeinen Steuersatz.

Die EU-Kommission überlege, bei der Umsatzbesteuerung von E-Books, die geltenden ermäßigten Steuersätze für gedruckte Veröffentlichungen (in Deutschland: 7 Prozent) zuzulassen − und hat dafür einen öffentlichen Konsultationsprozesse eingeleitet, an dem sich auch der Deutsche Steuerberater-Verband beteiligt hat. Die Stellungnahme kann auf der Website des DStV eingesehen und heruntergeladen werden.

Darin unterstützt der DStV zwar "die Idee eines einheitlichen europäischen Mehrwertsteuerraums", so die Medieninformation des Verbands − kommt aber zu einem anderen Schluss. Entscheidend sei, dass das System neutral, einfach und praktikabel ist.

Ausnahmen vom Regelsteuersatz, wie sie derzeit etwa für Bücher und weitere Druckerzeugnisse bestehen, würden grundsätzlich zur Verkomplizierung des Steuersystems führen, so das Argument des DStV. Als Beispiel führt der Verband an: Seit dem 1. Januar 2015 gelte für elektronisch erbrachte Dienstleistungen der Ort, an dem der Kunde sitzt, als Leistungsort.
Ein mittelständisches Unternehmen, dass E-Books an Privatkunden ins europäische Ausland vertreibt, müsste so "unter Umständen zwischen drei Möglichkeiten der Umsatzbesteuerung unterscheiden". Das würde laut DStV zu allem anderen als einem praktikablen Mehrwertsteuersystem führen.

Als Lösung schlägt der Verband vor, dass bei den Mehrwertsteuersätzen der Ausnahmekatalog überarbeitet werden sollte. Auch bei Büchern: Aus Sicht des DStV fehle es an einer solchen besonderen Rechtfertigung zur ermäßigten Umsatzbesteuerung von Büchern und ähnlichen Druckerzeugnissen sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form. Die überraschende Schlussfolgerung: "Die Gleichbehandlung der beiden Produkte sollte aus DStV-Sicht dahingehend erfolgen, dass beide mit dem allgemeinen Steuersatz besteuert werden." Im Gegenzug sollte es allerdings eine Absenkung des allgemeinen Steuersatzes geben, so der DStV. 

Dem Deutschen Steuerberaterverband gehören 16 Mitgliedsverbände an, in denen rund 36.500 Steuerberater organisiert sind.

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3 Kommentar/e

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  • Daniel Beskos

    Daniel Beskos

    "Entscheidend sei, dass das System neutral, einfach und praktikabel ist".
    Genau, das ist das einzige und entscheidende Argument, um das Kulturgut Buch in Deutschland nicht mehr weiter zu fördern. Guter Witz.

  • Klaus Philipp Mertens

    Klaus Philipp Mertens

    Dann werde ich schnellstens meinen Steuerberater abmahnen; denn er verstößt gegen das von mir erteilte Mandat (Mandantenverrat).

  • Anonymous

    Anonymous

    Die Bürokratie verursacht gigantische Kosten. Dieses Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Steuervereinfachung sollte deshalb oberste Priorität haben. Zurzeit ist das Steuerrecht in Deutschland kompliziert und ungerecht. Da wäre mir ein einfaches und vielleicht auch manchmal ungerechtes Steuerrecht lieber. 100%ige Gerechtigkeit wird es nie geben. Deshalb wäre es eine Revolution und absolut zu begrüßen, wenn der ermäßigte Steuersatz abgeschafft und stattdessen der allgemeine Steuersatz gesamtaufkommensneutral z.B. auf 16% gesenkt werden würde. Zwar würden Bücher und Lebensmittel für den Endverbraucher teurer, dafür würden viele andere Artikel (Strom, Benzin, Smartphone, Haushaltswaren, Telefongebühren uvm.) billiger. Gleicht sich also alles wieder aus. Die gesparten Bürokratiekosten kämen aber allen Bürgern zugute. Arbeitgeber könnten die gesparten Kosten weitergeben und Steuerberater die gesparte Zeit durch niedrigere Honorare weitergeben.
    ABER: Es ist leider nicht zu erwarten, dass sich die Politik dazu entschließt, den ermäßigten Steuersatz abzuschaffen und gleichzeitig den allgemeinen Steuersatz auf 16% zu senken. Vielmehr würde es darauf hinauslaufen, dass alles so bleibt wie es ist, jedoch alle Bücher in Zukunft mit 19% besteuert würden. Deshalb lehne ich das ab und fordere, zur Bürokratievereinfachung auch E-Books endgültig mit 7% zu besteuern und die Diskussion zu beenden.

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