Hinweise auf politischen Hintergrund

Brandanschlag auf Gmeiner-Autor

Wie der Gmeiner-Verlag heute bestätigt, ist am 16. September ein Brandanschlag auf das Wohnhaus seines Autors Matthias P. Gibert verübt worden; in seinem jüngsten Thriller hatte er die Aktivitäten des türkischen Geheimdienstes in Deutschland thematisiert. Lesungen finden derzeit unter Polizeischutz statt.

© Gmeiner-Verlag

Danach wurden am frühen Morgen des 16. Septembers 2018 vor dem Wohnhaus von Matthias P. Gibert ein Molotowcocktail gezündet sowie Flugblätter mit der Abbildung des türkischen Präsidenten Erdogan gefunden. Es entstand Sachschaden, der Autor und seine Familie blieben unverletzt. Die Polizei und der Staatsschutz ermittelten derzeit und könnten zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass die Tat im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seines aktuellen Thrillers "Tödlicher Befehl" stehe, so Gmeiner-Presseleiterin Petra Wendler.

"Erschreckende Reaktionen auf einen Krimi"

In dem am 8. August erschienenen Thriller thematisiert der Autor explizit die Aktivitäten des türkischen Geheimdienstes in Deutschland. Nach intensiven Beratungen mit Gibert und den zuständigen Beamten habe der Gmeiner-Verlag zunächst beschlossen, mit dieser Nachricht nicht an die Öffentlichkeit zu treten. "Die Gefahrenlage war dafür zu unübersichtlich", so Vertriebs- und Marketingleiter Jochen Große Entrup. "Aus Fürsorge dem Autor und den eigenen Mitarbeitern gegenüber haben wir gemeinsam mit dem Staatsschutz beschlossen, die Ereignisse nicht öffentlich zu kommunizieren", fährt er fort: "Wir wussten um die politische Brisanz des Buches. Dass ein fiktiver Krimi derartige Reaktionen auslöst, ist jedoch erschreckend." Autor und Verlag treten nun jedoch an die Öffentlichkeit, um auf die aktuelle Medienberichterstattung zu reagieren.

"Anschlag auf die Meinungsfreiheit"

Weder Verlag noch Autor wollen diesen Anschlag auf die Meinungsfreiheit akzeptieren, so Große Entrup. Deswegen habe man gemeinsam entschieden, das Buch weiterhin aktiv zu bewerben sowie vereinbarte Lesungen durchzuführen: "Wir werden alles tun, um unseren Autor in dieser schwierigen Lage zu unterstützen." Die Lesungen von Gibert finden derzeit unter Polizeischutz statt. Auf der Frankfurter Buchmesse sei der Titel auch international auf großes Interesse gestoßen, aktuell würden mehrere türkische Verlage eine Lizenzausgabe prüfen. "Trotz der für alle Mitarbeiter, den Autor und seine Angehörigen angespannten Situation herrscht Einigkeit darüber, dass es im Sinne einer demokratisch gesicherten Meinungsfreiheit und künstlerischen Freiheit wichtig bleibe, 'Tödlicher Befehl' seinen Lesern weiterhin zugänglich zu halten", so Große Entrup.

 

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2 Kommentar/e

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  • Gödecke

    Gödecke

    Warum wundert mich das nicht? Früher oder später war mit sowas doch zu rechnen - leider.

  • Frank Loock

    Frank Loock

    Verirrte und am Gestern orientierte Geister gibt es in jedem Kulturraum. Hier, wie in jedem Fall von Straftaten, müssen die Sicherheitsorgane zunächst Ihre Aufgaben erledigen. Wenn sich herausstellt, dass dies eine extremistische Gewalttat war, die politisch motiviert wurde, dann müssen Politik und Gesellschaft die Urheber dieser Taten zur Raison bringen: indem die Täter bestraft statt verhätschelt und die Promotoren mit den Sanktionen belegt werden, die ihnen am meisten weh tun.

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