Independence Dinner in Leipzig

"Ökonomie im Dienst des Inhalts"

Charme-Offensive auf Chinesisch: Bereits zum fünften Mal brachte das "Independence Dinner" Medienleute und unabhängige Verleger aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammen.

Das Independence Dinner im "Chinabrenner"

Das Independence Dinner im "Chinabrenner" © Nils Kahlefendt

Eisbein nach Art des Dichters Su Dong Po, kalt gemischte Ohrenpilze, Rindfleisch nach Art der Papiermacher – die Menükarte im "Chinabrenner" des Leipziger Gastronomen Thomas Wrobel liest sich wieder einmal wie allerfeinste Poesie.

So vielfältig und stark gewürzt wie Wrobels Gerichte sind die Programme der unabhängigen Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die heuer zum fünften Mal Medien-Leute und Kulturnetzwerker zum "Independence Dinner" einluden. Die österreichische Druckerei Theiss und Dörlemann Satz unterstützten das kulinarisch-kulturpolitische Gemeinschaftsprojekt von Hotlist, Kurt-Wolff-Stiftung, SWIPS und ARGE Österreichische Privatverlage großzügig.

Dass kleinere Verlage es schwer haben, weiß jeder. Was sie dagegen tun, ist schon weniger bekannt. Nicht nur Britta Jürgs (Aviva), Vorstandsvorsitzende der Kurt-Wolff-Stiftung, blickt, während an rotierenden Tischen emsig mit Stäbchen hantiert wird, auf ein weiteres Jahr erfolgreicher Arbeit für eine vielfältige Bücherlandschaft zurück. VG-Wort-Urteil, Urheberrecht – die Problemlagen haben heute einmal Pause.

SWIPS-Frontfrau Ursi Anna Aeschbacher (Verlag Die Brotsuppe) freut sich über den zehnten Geburtstag des Schweizer Indie-Verbunds – aus fünf Verlagen sind inzwischen 28 geworden, die Bücher quer durch alle Genres produzieren. Und laut für ihre Belange trommeln. Zum Jubiläum haben die Eidgenossen eine informative Broschüre aufgelegt, die auch am SWIPS-Stand der Buchmesse erhältlich ist.

Die ARGE ist bereits 30, von Midlife-Crisis keine Spur. Ihre 21 Mitgliedsverlage eint, wie Sprecher Alexander Potyka (Picus Verlag, Wien) betont, der Glaube, "dass die Ökonomie im Dienst des Inhalts steht, nicht umgekehrt". Ein Satz, den wohl alle im "Chinabrenner" sofort unterschreiben würden. Den zahlreich anwesenden Medienvertretern schreibt Potyka auch noch etwas ins Stammbuch: "Seien Sie zu unseren Büchern genau so nett wie zu uns." Und weil auch zu einem chinesischen Zuckerbrot ein klein wenig Peitsche gehört: "Nur wenn unser Überleben gesichert ist, sehen wir uns wieder!"

nk

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