Nach geplatztem "DEAL"

Hochschulen beklagen fehlenden Zugang zu Elsevier-Inhalten

Die vorerst geplatzten Verhandlungen um eine Nationallizenz für elektronische Wissenschaftszeitschriften – das sogenannte Projekt DEAL – haben offenbar unerwünschte Nebenwirkungen: Rund 60 Wissenschaftseinrichtungen, die im Vorgriff auf eine erwartete Lizenzvereinbarung ihre Verträge zu Ende 2016 gekündigt hatten, beklagen nun, dass der Zugang zu Elsevier-Inhalten ganz oder teilweise abgeschaltet worden sei.

Hintergrund für die Kündigungen seitens der Wissenschaftseinrichtungen war die Erwartung des DEAL-Teams, die Verhandlungen mit Elsevier um eine Nationallizenz noch im vergangenen Jahr erfolgreich abzuschließen. Da die Gespräche aber nicht im gewünschten Zeitraum zu einem Verhandlungsergebnis geführt haben und in diesem Jahr fortgesetzt werden sollen, befinden sich die betroffenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen jetzt in einem Schwebezustand. Während das von der Hochschulrektorenkonferenz beauftragte DEAL-Team von Elsevier eine Kulanzregelung fordert, erklärte Elsevier bereits Anfang Dezember: "Selbstverständlich werden alle Institutionen, auch wenn sie ihre Verträge gekündigt haben, mit Zugang versorgt, so sie dies wünschen." Zu welchen Konditionen eine Vertragsverlängerung angeboten werden könnte, geht aus dieser Stellungnahme allerdings nicht hervor.

Die "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" hatte in einer Mitteilung vom 2. Dezember die Verhandlungen mit Elsevier für vorläufig gescheitert erklärt: Das vorgelegte Angebot für eine bundesweite Lizenz entspreche "nach Überzeugung der Allianz nicht den Prinzipien von Open Access und einer fairen Preisgestaltung. Trotz der derzeit bei 40 Prozent liegenden Umsatzrendite setzt der Verlag weiter auf Preissteigerungen jenseits der bislang bezahlten Lizenzsummen. Der Verlag lehnt transparentere Geschäftsmodelle ab, die auf der Publikationsleistung basieren und Publikationen offener zugänglich machen würden."

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Horst Hippler, fügte hinzu: "Elsevier versucht damit seine marktbeherrschende Stellung zu nutzen und droht allen Wissenschaftseinrichtungen, deren Verträge 2016 auslaufen, mit einem Abschalten der Zugänge." Dies scheint, wenn man dem Blog-Eintrag des Projekts DEAL vom 4. Januar folgt, inzwischen eingetreten zu sein. Die Universität Göttingen meldet auf ihrer Website, dass an der Hochschule seit Januar 2017 — wie an rund 60 weiteren namhaften deutschen Wissenschaftseinrichtungen — keine Volltexte von Zeitschriften des Elsevier-Verlags mehr zur Verfügung stehen. Dabei handele es sich an der Universität Göttingen um 440 Zeitschriften.

Das Projekt DEAL
Ziel der Initiative der Hochschulrektorenkonferenz und der Wissenschaftsallianz ist der Abschluss bundesweiter Lizenzverträge für das gesamte elektronische Zeitschriften-Portfolio der großen Wissenschaftsverlage (Elsevier, Springer Nature, Wiley). Die Lizenzen sollen zugleich eine Open-Access-Komponente enthalten, in der die Kosten der Wissenschaftseinrichtungen für Open-Access-Veröffentlichungen berücksichtigt werden. An den Verhandlungen sind bundesweit rund 600 Einrichtungen beteiligt (Universitäten, Forschungseinrichtungen, Staats- und Regionalbibliotheken u.a.).

Kritik aus der Buchbranche
Elsevier und zwei weiteren großen Wissenschaftsverlagen (Springer Nature und Wiley) war aus Sortiments- und Verlagskreisen vorgeworfen worden, durch die Teilnahme an Verhandlungen über E-Lizenzen für Wissenschaftsjournale der Konzentration im Markt der Wissenschaftsverlage Vorschub zu leisten und den Buchhandel vom Geschäft mit Lizenzinhalten abzuschneiden. Die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortimente (AWS) hatte deshalb einen Protestbrief veröffentlicht, in dem auch die drei großen Verlage kritisiert wurden.

roe

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