Rakuten Kobo wird neuer Technologiepartner

Die Telekom sagt dem Tolino Adieu

Rakuten Kobo plant zum Ende Januar wesentliche Anteile der Deutschen Telekom an der Tolino Allianz zu übernehmen. Das Bundeskartellamt muss die Übernahme noch absegnen.

Ein neuer Tolino

Ein neuer Tolino © Claus Setzer

Ein entsprechender Übernahmeantrag liegt dem Bundeskartellamt vor und wurde am 22. Dezember eingereicht.

Dem Antrag zur Folge plant die Deutsche Telekom den Ausstieg als treibender Partner der Tolino-Allianz. Übernehmen würde das börsennotierte Unternehmen Rakuten Inc. (Börsenwert: rund 15 Mrd. US-Dollar), das "wesentliche Anteile" der Deutschen Telekom übernehmen möchte. Das Bundeskartellamt hat zunächst bis zu einem Monat Zeit, um den Zusammenschluss zu prüfen.

Der japanische Onlineriese Rakuten hatte bereits den kanadischen E-Reader-Produzenten Kobo übernommen, seitdem firmieren die Kanadier unter Rakuten Kobo, zählen nach eigenen Angaben 12 Millionen Nutzer weltweit zu ihren Kunden.

Die Deutsche Telekom hatte für verschiedene Buchhandelsunternehmen (ursprünglich Thalia, Weltbild, Hugendubel), alles Filialisten, den E-Reader Tolino als Gegenmodell zu Amazons Kindle entwickelt. Mit der erfolgreichen Platzierung am Markt und einem Marktanteil von rund 50 Prozent am E-Book-Markt gesellten sich in den letzten beiden Jahren immer weitere Teile des Buchhandels hinzu, zum Beispiel über den Großhändler Libri. Inzwischen gehören darum auch Bahnhofsbuchhändler wie Schmitt & Hahn sowie Osiander und die Mayersche zur Tolino-Allianz - 1.500 Buchhandlungen in Deutschland bieten die Tolino E-Reader an. Außerdem gibt es internationale Partner in den Niederlanden, Belgien, Österreich, Schweiz und Italien. 

Ausstieg zum richtigen Zeitpunkt?

"Es ist für die Deutsche Telekom jetzt der richtige Zeitpunkt, das Plattform-Geschäft, das wir in den letzten vier Jahren mit Investment und viel Leistung aufgebaut haben, zu veräußern", sagt Felix Wunderer, Leiter E-Publishing bei der Deutschen Telekom. "Wir freuen uns, dass wir die Erfolgsgeschichte von Tolino als Technologieanbieter entscheidend mitgeschrieben haben." Gemeinsam mit den Handelspartnern habe die Telekom den Tolino mit dem offenen Ökosystem "zu einer festen Größe im eReading Markt" gemacht. Es sei ein "hervorragendes Ergebnis, ein digitales E-Reading-Ökosystem so erfolgreich gegen starke US-basierte Wettbewerber entwickelt zu haben".

Die Tolino-Gründungspartner, so Wunderer, hätten "die Entscheidung, das Tolino-Ökosystem an Kobo zu veräußern und Kobo zum neuen Technologiepartner zu machen, von Anfang an unterstützt".

„Die Übergabe des Ökosystems an Kobo ist ein Zeichen unserer Marktreife: Nachdem die Telekom für uns der perfekte Gründungspartner war, geht es mit Kobo nun um weiteres Wachstum und insbesondere um das Halten und das Ausbauen von internationalen E-Reading-Standards“, lässt Nina Hugendubel sich in der Pressemitteilung zitieren. Mögliche Risiken der Übernahme werden in der Pressemitteilung nicht erwähnt.

Die Ziele von Rakuten-Kobo mit der Marke Tolino sind bislang nicht vollkommen klar: Die Kobo-E-Reader Kobo gelten als hochwertige Lesegeräte, international führen die Kanadier in vielen Märkten aber eher ein Nischendasein - trotz Übernahme der Sony-Kunden nach dem Abschied der japanischen E-Reading-Pioniere vom Markt. Vor allem am deutschen Handel hatte Kobo sich bislang die Zähne ausgebissen - die E-Reader sind bei uns vor allem bei Elektromärkten zu haben, weil sich keine Handelspartner aus dem Buchhandel gefunden hatten. Eine Anfrage des Börsenblatts hat das Unternehmen bislang noch nicht beantwortet.

Aus Kobo wird tolino? Keine Änderung für Bestandskunden?

Der Pressemitteilung lässt sich entnehmen, dass "unter der Marke Tolino das Beste aus der Tolino Welt und der Kobo Welt zusammengeführt" werden soll. "Für die Tolino-Kunden ändert sich durch den neuen Partner nichts", teilen die Tolino-Partner mit. Sie bleiben weiter Kunden ihres Tolino-Buchhändlers und greifen auf die bisherigen Services zu:

  • Die Marke Tolino soll "für den deutschsprachigen Raum erhalten" bleiben
  • Auch die Tolino E-Reader sollen fortgesetzt und die bisherigen Geräte weiter technisch unterstützt werden
  • Die kostenlose Nutzung von Telekom HotSpots, Tolino App und Tolino Cloud werde den Kunden weiterhin "in gewohntem Umfang" zur Verfügung stehen

Wie mehrere E-Reading Blogs wie lesen.net und allesebook.de bereits in der Vergangenenheit berichtet hatten, lassen sowohl die Deutsche Telekom als auch Kobo ihre E-Reader bei dem selben taiwanesischen Dienstleister fertigen: Netronix.  Es scheint plausibel, dass Kobo in Deutschland seine neuen E-Reader-Modelle künftig unter der Marke Tolino vertreiben wird. Welche Änderungen sich international aus der geplanten Übernahme ergeben, ist unklar.

Bei Rakuten Deutschland hatte es am 13. Oktober eine wichtige Personalmeldung gegeben: Guido Schulz und Frank Hümmer hatten Prokura erhalten.

 

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3 Kommentar/e

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  • Galbadon

    Galbadon

    Spannend. Könnte für die Kunden ein Gewinn sein. Kobo hat die deutlich besseren und komfortableren Reader, es wäre toll, wenn diese künftig den Tolino ersetzen würden - auch im Softwarekomfort. Andererseits hat Rakuten Kobo seinen eigenen Shop - womit er klar in Konkurenz zu den deutschen Buchhändlern steht. Ich persönlich würde eine Erweiterung der Tolino cloud mit der Kobo cloud durchaus begrüßen.
    Hoffenlich wird die "kobofizierung" der EPUBs beibehalten und auf die Tolinos ausgeweitet.

  • Peter R.

    Peter R.

    "Für die Tolino-Kunden ändert sich durch den neuen Partner nichts"

    Was mache ich jetzt mit meinen DRM verseuchten eBooks wenn die Cloud in kürze von Kobo eingestellt wird. Dann kann ich mich mit Adobe rum schlagen. Ab heute lese ich mit dem Kindle meine eBooks, Amazon ist und bleibt die einzige konstante bei eBooks. Meinen Tolino behahlte ich für die bisher gekauften ePUB Formate. Tolino ist für mich keine Unterstützung mehr für den deutschen Buchhandel. Ein enttäuschter Kunde der jetzt doch zu Amazon geht.

  • Galbadon

    Galbadon

    @Peter R.
    Bei DRM-Büchern im EPUB-Format sollte sich nichts ändern. Ob Kobo die anbietet oder die Telekom ist wurscht, das wird alles von ADE verwaltet. Da ist ja das schöne an der EPUB Welt, sie ist anbieteroffen. Und, noch besser, viele moderne Verlage, die nicht im Gestern verharren, verzichten mittlerweile auf DRM bei EPUBs. Das gibt es bei Amazon nicht.

    Verstehen sie mich recht: der Kindle ist sehr komfortabel und eigentlich ist nur der Kobo gleichauf - aber trotzdem ist man dann 100 % von Amazon abhängig. Mit EPUB kann ich bei dem Händler kaufen, der mir den besten Service bietet, kundenfreundlich ist oder vielleicht gleich um die Ecke.

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