Unabhängige Buchhandlungen in Großbritannien

Strategien für mehr Umsatz

Unabhängige Buchhandlungen in England ergeben sich der Konkurrenz des Onlinehandels nicht kampflos. Die Bemühungen der Buchhändler um ein Gegengewicht zum seelenlosen Kauf-per-Klick tragen Früchte − teils mit deutlichen Umsatzsprüngen. Drei Beispiele. CORNELIA BIRR

Mog (l.) und Pauline Giacomelli Harris von Warwick Books

Mog (l.) und Pauline Giacomelli Harris von Warwick Books © Warwick Books

Von den rund 40 Läden, die in diesem Jahr für den Titel „Independent Bookshop of the Year“ nominiert sind, konnten mehrere 2017 teils erhebliche Umsatzsteigerungen erzielen. Wie haben sie das gemacht?

Strategie 1: Teil der Community sein

Mog und Pauline Giacomelli Harris haben ihren Laden in Warwick in den englischen Midlands 2015 eröffnet, seitdem sind die Verkaufszahlen kontinuierlich gestiegen. Bislang bestes Jahr: 2017, mit einer Umsatzsteigerung von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir haben das große Glück, eine loyale Kundschaft zu haben, die Buchläden liebt", sagt Inhaberin Mog. "Zudem ist Warwick eine Stadt, die unabhängige Unternehmen unterstützt."

Lokal vernetzt: Warwick Books

Lokal vernetzt: Warwick Books © Warwick Books

Die Buchhändlerinnen legen großen Wert darauf zurückzugeben: "Wir glauben an die Bedeutung von Gemeinschaft und sind bereit, in unsere Community zu investieren, damit alle davon profitieren − ob durch das Aufsammeln von Müll, die Teilnahme an Wohltätigkeitsveranstaltungen oder das Begrüßen neuer Anwohner. Wir kaufen auf dem Markt ein, holen unsere Wolle im Wolleladen und sind stolz darauf, den örtlichen Buchladen zu betreiben." Alle Veranstaltungen werden von lokalen Unternehmen gecatert, die Schulen schicken ihre Schüler zu Praktika, neue Kochbücher werden in “Oken’s Kitchen“, einer benachbarten Kochschule vorgestellt. Beim Weihnachtsbaumfestival stiftet die Buchhandlung jedes Jahr einen Baum mit kostenlosen Büchern, die Besucher mit nach Hause nehmen können. Damit erklärt sich Mog auch ihren Erfolg: "Unsere Kunden kennen uns von unseren vielen Veranstaltungen. Deshalb investieren sie lieber in uns als in einen gesichtslosen Onlinehändler."

http://www.warwickbooks.net/ (seit 2015, Inhaber Mog und Pauline Giacomelli Harris, zwei Aushilfen, Auslage etwa 7.000 Bücher)

Sue Porter vor ihrer Buchhandlung

Sue Porter vor ihrer Buchhandlung © Linghams

Strategie 2: Autoren, Autoren, Autoren

Sue Porter und ihr Buchladen mit integriertem Café, Lingshams, blicken für 2017 immerhin auf 10 Prozent Umsatzsteigerung zurück. Ihr Geheimnis? “Heutzutage muss man sich mit Lesern und Autoren gleich viel befassen”, sagt Porter. Deshalb holt die Buchhändlerin jede Menge bekannter Schriftsteller, aber auch Newcomer nach Heswall im Nordwesten von England. Gelesen wird im Laden, bei größeren Veranstaltungen in Hotels oder Schulen. Und größer wird es durchaus mal: Als Ex-Rennfahrer Damon Hill 2016 seine Autobiografie vorstellte, kamen 450 Zuhörer. Andere Erfolge: Philippa Gregory, Tony Robinson, Clare Balding, David Baldacci, Robert Webb – “alle ausverkauft”, so Porter. Auch mit Schulen arbeitet sie zusammen, nimmt Autoren mit in die Klassen (“brilliant fun!”). Umgekehrt wird auch ein Schuh draus: Wenn Fantasy-Autoren wie Philip Pullman zu Signierstunden in den Laden kommen, lassen die Schulen aus der Umgebung ihre Schüler busseweise anfahren.

http://linghams.co.uk/ (seit 2015, Inhaberin Sue Porter, 5 Angestellte, mit integriertem Café)

Linghams Booksellers in Heswall, Wirral

Linghams Booksellers in Heswall, Wirral © Linghams

Joanna Heygate, die Managerin von Pages of Hackney

Joanna Heygate, die Managerin von Pages of Hackney © privat

Strategie 3: Diversität abbilden – und mobile Verkaufsstände aufbauen

Seit 2008 gibt es Pages of Hackney im Londoner Osten. Das letzte Jahr bescherte dem Laden eine Umsatzsteigerung von satten 30 Prozent. Wie das? "Wir haben hart dafür gearbeitet, uns einen Ruf als offener, freundlicher und gut kuratierter Laden zu erarbeiten und viel Zeit investiert, uns mit unserer Umgebung zu beschäftigen, damit die Bücher, die wir auf Lager haben, deren Diversität abbilden", sagt Managerin Joanna Heygate. "Dadurch treffen unsere Kunden die moralische Entscheidung, bei uns zu kaufen statt online – sie wissen, wenn sie das nicht tun, verlieren sie uns. Wir versuchen dafür Sorge zu tragen, dass unsere Kunden sich im Laden wie zuhause fühlen und gute Gespräche führen können. Das ist etwas, das der Onlinehandel nicht leisten kann."

Grundlegend sei auch eine klare Linie: "Ich denke, jeder kleinere unabhängige Buchladen hat seine eigene individuelle Identität, die sich im Laden widerspiegelt. Uns liegt es am Herzen, Themen und Autoren zu unterstützen, an die wir glauben, und auch unbekannteren Verlagen eine Plattform zu bieten. Unsere Angestellten haben ein exzellentes Wissen über Literatur, Erfahrung in der Branche und eine Leidenschaft für das Verkaufen von Büchern. Das ist unbezahlbar.“ Und Heygate hat noch einen konkreten Tipp hat auf Lager: Ein Team von Verkäufern schnappt sich jede Woche ein EC-Gerät und verkauft Bücher bei öffentlichen Vorträgen, die in London stattfinden. Das helfe mit dem Umsatz an ruhigeren Tagen, so Heygate; die werden aber zunehmend selten.

https://pagesofhackney.co.uk/ (seit 2008, Inhaberin Eleanor Lowenthal, eine  Vollzeitangestellte, zwei in Teilzeit, Auslage: etwa 3.000 neue Bücher und etwa 1.500 Second-Hand-Titel im Keller)

Pages of Hachney in London

Pages of Hachney in London © Pages of Hackney

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