Wasmuth schließt Museumsshop in Leipzig

"Die Umsätze haben seit längerem nicht mehr gestimmt"

Ende Mai räumt Wasmuth seinen Standort im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Die Reißleine wurde wegen unbefriedigender Geschäftsentwicklung vorzeitig gezogen. NILS KAHLEFENDT

Der Museumsshop in Leipzig im Eröffnungsjahr 2013

Der Museumsshop in Leipzig im Eröffnungsjahr 2013 © Nils Kahlefendt

Eigentlich hat die Museumsbuchhandlung Wasmuth noch einen längerfristig laufenden Pachtvertrag. Eine Klausel räumt indes vorzeitiges Kündigungsrecht bei schlechter Geschäftsentwicklung ein – diese Option hat Wasmuth nun gezogen und den Vertrag zu Ende Mai gekündigt. "Das ist auch für uns sehr bedauerlich", sage Ernst J. Wasmuth, Geschäftsführer des Wasmuth Verlags (Tübingen) gegenüber boersenblatt.net. "Es hat uns Spaß gemacht, in Leipzig präsent zu sein. Aber die Umsätze haben schon seit längerem nicht mehr gestimmt. Wenn jeder Besucher im Schnitt rund zwei Euro im Shop lässt, reicht das bei 100.000 Besuchern im Jahr nicht zum Überleben. Zudem hat die in den letzten Jahren fertig gestellte Randumbauung des Museums dazu geführt, dass man uns sehr schlecht findet." Negativ ausgewirkt haben dürfte sich auch eine mehrmonatige Restaurierung des gesamten Untergeschosses im letzten Jahr. 

Der Österreicher Alfred Weidinger, seit 1. August 2017 neuer Chef des Leipziger Bildermuseums, bedauert gegenüber boersenblatt.net die Aufgabe der Buchhandlung; für den promovierten Kunsthistoriker, der an früheren Stationen seiner Karriere Museumsshops konzipierte und einrichtete, ist die wachsende Konkurrenz aus dem Netz ursächlich. Eine Shop-Lösung in Eigenregie nach Vorbild des Frankfurter Städel plant Weidinger jedoch nicht: "Wir werden selbst keine Buchhandlung einrichten. Sehr wahrscheinlich übersiedeln wir unsere Kassen in den jetzigen Buchladen und verkaufen dort unsere eigenen Kataloge und vielleicht einige ausgewählte Artikel. Für einen eigenen Museumsshop reichen unsere Besucherzahlen nicht; interessant wird dieses Geschäft erst ab etwa 350.000 Besuchern jährlich." Obwohl Weidingers neues Programm erst im Oktober 2017 begann, seien die Besucherzahlen des Vorjahres noch übertroffen worden. "Allerdings sind unsere Zuwächse vorwiegend auf junge Museumsbesucher zurückzuführen", erklärt Weidinger, "das ist kein kaufkräftiges Publikum".

Wasmuth hatte den ersten Museumsshop außerhalb Berlins Anfang Juli 2013 eröffnet. Auf rund 40 Quadratmetern wurden aktuelle Kunstliteratur, klassisches und modernes Antiquariat sowie ausgewählte Geschenkartikel angeboten, die zum Teil speziell für das Museum produziert wurden. Noch im gleichen Jahr musste Wasmuth nach einer Neuausschreibung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen herben Rückschlag im Museumsbuchhandel verkraften – man verlor sechs Shops an vier Berliner Standorten an die Buchhandlung Walther König und war in der Bundeshauptstadt nur noch im Deutschen Technikmuseum aktiv. Vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Buchhandlung im Februar 2015 waren die Museumsshops in Berlin und Leipzig dem Ernst Wasmuth Verlag in Tübingen angegliedert und als Zweigniederlassung von Berlin aus geführt worden.

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