"Ihr Schreiben, das sich durch eine dichte poetische Prosa auszeichnet, befasst sich mit Portugals diktatorischer Vergangenheit, der Situation der Frau, den Auswirkungen historischer Transformationen auf den Alltag, der Bedeutung von Revolutionen, Emigration, den Spannungen zwischen moderner und postmoderner Gesellschaft, Generationenkonflikten und Familienbrüchen – mit intensiver lyrischer Kraft und einem Fokus auf das kollektive Gedächtnis", heißt es im Urteil der Jury.
Lídia Jorge, geboren 1946 in Boliqueime im Süden Portugals, studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte während der Unabhängigkeitskämpfe einige Jahre in Angola und Mosambik. Sie lebt heute in Lissabon. Mit ihren ersten beiden Romanen gehörte sie zur Avantgarde der zeitgenössischen portugiesischen Literatur und hat seitdem zahlreiche renommierte Auszeichnungen für ihr Werk erhalten. 2021 nahm Lídia Jorge eine Professur an der Universität Genf an, 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet.
Im Secession Verlag ist zuletzt "Die Stunde der Nelken" (aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis) erschienen. Erst im Juni hat Jorge auch den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2026 für ihr literarisches Gesamtwerk zugesprochen bekommen.