Mit 100.000 Euro dotiert

Camões-Preis 2026 geht an Lídia Jorge

7. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Die portugiesische Autorin Lídia Jorge erhält in diesem Jahr den Camões-Preis. Auf Deutsch ist zuletzt ihr Buch "Die Stunde der Nelken" in Übersetzung von Marianne Gareis bei Secession erschienen.

Lídia Jorge

Lídia Jorge

"Ihr Schreiben, das sich durch eine dichte poetische Prosa auszeichnet, befasst sich mit Portugals diktatorischer Vergangenheit, der Situation der Frau, den Auswirkungen historischer Transformationen auf den Alltag, der Bedeutung von Revolutionen, Emigration, den Spannungen zwischen moderner und postmoderner Gesellschaft, Generationenkonflikten und Familienbrüchen – mit intensiver lyrischer Kraft und einem Fokus auf das kollektive Gedächtnis", heißt es im Urteil der Jury.

Lídia Jorge, geboren 1946 in Boliqueime im Süden Portugals, studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte während der Unabhängigkeitskämpfe einige Jahre in Angola und Mosambik. Sie lebt heute in Lissabon. Mit ihren ersten beiden Romanen gehörte sie zur Avantgarde der zeitgenössischen portugiesischen Literatur und hat seitdem zahlreiche renommierte Auszeichnungen für ihr Werk erhalten. 2021 nahm Lídia Jorge eine Professur an der Universität Genf an, 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet.

Im Secession Verlag ist zuletzt "Die Stunde der Nelken" (aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis) erschienen. Erst im Juni hat Jorge auch den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2026 für ihr literarisches Gesamtwerk zugesprochen bekommen.

Über die Auszeichnung

Der Prémio Camões, dotiert mit 100.000 Euro und vom portugiesischen und brasilianischen Kulturministerium zu gleichen Teilen getragen, wird seit 1989 jedes Jahr von einer Jury aus zwei portugiesischen und zwei brasilianischen Persönlichkeiten sowie zwei Vertretern der portugiesischsprachigen afrikanischen Länder als Würdigung eines literarischen Gesamtwerks vergeben und ging in der Vergangenheit u. a. an José Saramago, Agustina Bessa-Luís, António Lobo Antunes und zuletzt an Ana Paula Tavares.