Literaturpreise

Lídia Jorge erhält Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur

16. Juni 2026
Redaktion Börsenblatt

Die portugiesische Autorin Lídia Jorge wird mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2026 ausgezeichnet. Die Jury würdigt damit ein Werk, das sich mit Kolonialismus, sozialer Ungleichheit, Frauenrechten und den politischen Umbrüchen in Portugal auseinandergesetzt hat.

Lídia Jorge

Lídia Jorge

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird in diesem Jahr an die portugiesische Autorin Lídia Jorge verliehen. Sie zählt der Jury zufolge seit vielen Jahren zu den bedeutendsten Stimmen der portugiesischen Literatur. In den bald fünfzig Jahren ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hat sie dreizehn Romane verfasst, sowie einige Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke, Gedichte und Essays, die ins Spanische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt wurden. Die Kritik am europäischen Kolonialismus gehört zu den Grundthemen der Literatur von Lídia Jorge, ebenso wie die Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit und Armut, mit der Diskriminierung von Frauen, mit Rassismus oder mit der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974.

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat, was durch Übersetzungen dokumentiert sein muss. Das Werk muss auch in deutschsprachiger Übersetzung vorliegen. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Über Lídia Jorge

Lídia Jorge, geboren 1946 in Boliqueime im Süden Portugals, studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte während der Unabhängigkeitskämpfe einige Jahre in Angola und Mosambik. Sie lebt heute in Lissabon.

Mit ihren ersten beiden Romanen gehörte sie zur Avantgarde der zeitgenössischen portugiesischen Literatur und hat seitdem zahlreiche renommierte Auszeichnungen für ihr Werk erhalten. 2021 nahm Lídia Jorge eine Professur an der Universität Genf an, 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet.

Im Secession Verlag ist zuletzt "Die Stunde der Nelken" (aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis, 2026) erschienen.