"Erinnerung ist Machtfrage“

Eine Institution wird "BücherFrau des Jahres“

26. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Im Rahmen der erweiterten Vorstandssitzung des Branchennetzwerks BücherFrauen wurde die Wahl der BücherFrau des Jahres bekanntgegeben: Ausgezeichnet wird das Digitale Deutsche Frauenarchiv.

Das Team des Deutschen Frauen Archivs

Das Team des Deutschen Frauen Archivs: Stefanie Pöschl, Steff Urgast, Birgit Kiupel, Cordula Jurczyk, Marius Zierold, Sabine Balke Estremadoyro, Katrin Lehnert, Jessica Bock, Anke Spille, Susanne Diehr

In der Begründung zur Wahl heißt es: "Erinnerung ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist Arbeit. Sie ist Infrastruktur. Sie ist Machtfrage." Genau darin liege die feministische Bedeutung des DDF: Es bewahre nicht nur Dokumente, sondern hole Geschichte aus der Unsichtbarkeit zurück, in die sie durch patriarchale Strukturen verdrängt wurden.

Archive würden oft als Orte der Vergangenheit verstanden. Das DDF zeige etwas anderes: "Archive sind Zukunftsinfrastruktur. Ohne gesicherte Quellen fehlen die Grundlagen für Forschung, Journalismus, Sachbücher, Biografien, literarische Recherchen und neue feministische Publikationen. Was nicht dokumentiert wird, kann verschwinden. Was nicht zugänglich ist, bleibt unsichtbar."

Das DDF öffne Bestände, die lange nur Fachpublikum vorbehalten waren. Es ermögliche digitale Recherche und fördere neue Projekte in Wissenschaft, Medien und Buchbranche. In der Begründung heißt es dazu: "Das DDF schafft Zugang. Es demokratisiert Wissen. Es stärkt Autorinnen, Herausgeberinnen und Wissenschaftlerinnen. Und es schützt vor dem Vergessen in Zeiten digitaler Beschleunigung und gesellschaftlicher Polarisierung."

Besonders wichtig sei den BücherFrauen, dass das Digitale Deutsche Frauenarchiv nicht nur bekannte Namen sichtbar mache. Es dokumentiere auch Netzwerke, Initiativen, regionale Bewegungen, Alltagskämpfe und marginalisierte Perspektiven. Damit erweitere es den Blick auf feministische Geschichte und auf die Bedingungen, unter denen Texte, Bücher und Publikationen entstehen.

„Ohne Erinnerung keine Bücher“

Der Vorstand der BücherFrauen, der das DDF als BücherFrau des Jahres vorgeschlagen hat, beschreibt Archive in der Begründung ausdrücklich „nicht als Vergangenheitsspeicher, sondern als Zukunftsinfrastruktur“. Das DDF sichere, was sonst verloren ginge: Kämpfe, Netzwerke und Publikationszusammenhänge. Für die Buchbranche sei genau das entscheidend, weil feministische Literatur, Sachbücher, Zeitschriften und Dokumentationen immer auch aus Bewegungen, Beziehungen und gemeinsamer Arbeit hervorgingen. „Ohne Archiv keine Bewegung. Ohne Erinnerung keine Bücher“, heißt es in der Begründung des Vorschlags.

Neues Wahlverfahren

In diesem Jahr konnten erstmals alle Mitglieder des Branchenverbands mit jeweils einer Stimme über die BücherFrau des Jahres und das Jahresthema abstimmen. Bisher wurden die Wahlvorschläge in den Städte- und Regionalgruppen beraten; im anschließenden Wahlverfahren hatten die Gruppen – je nach Größe – eine festgelegte Stimmenzahl.

Mit dem neuen Prinzip "one woman, one vote" möchten die BücherFrauen ihren basisdemokratischen Anspruch stärken, die Abstimmungsergebnisse erhielten dadurch eine breitere demokratische Legitimation: "Jede Stimme zählt unmittelbar, und jede BücherFrau kann direkt mitentscheiden, welche Themen und Personen das Netzwerk sichtbar macht." Die Wahlbeteiligung von über 40 Prozent zeige, dass dieses neue Verfahren angenommen wurde. Damit verbinde sich die Hoffnung, dass sich künftig noch mehr Mitglieder aktiv in die Vereinsarbeit einbringen.

Mehr Infos zum Digitalen Deutschen Frauenarchiv gibt es hier: https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de