Young Professionals

Einladung zur Erneuerung

20. Mai 2026
Kira Borchers

Disruption ist in der Buch- und Medienbranche längst Realität: neue Formate, neue Plattformen, neue Erwartungen. Sie kann verunsichern – und gerade darin liegt ihr Wert. Unsere Kolumnistin Kira Borchers appelliert an den Nachwuchs der Branche, sich intensiv einzumischen. 

Kira Borchers

Kira Borchers (Jahrgang 2000) ist Autorin und arbeitet ab Juni als Operations Managerin für den Hase und Igel Verlag.

Bücher konkurrieren nicht nur mit anderen Büchern, sondern mit Streams, Games, Social Media, KI-Feeds. Gerade deshalb müssen wir neu erklären, was das Medium Buch – ob Print, E-Book oder Hörbuch – leistet: Tiefe statt Taktung, Konzentration statt Dauerreiz. Wenn wir diese Besonderheit nicht offensiv erzählen und erlebbar machen, werden wir nicht plötzlich verschwinden. Aber wir werden leiser.

Zu unrecht. In einer Welt, in der wir immer mehr Stunden vor Bildschirmen verbringen, kann Lesen bewusst für Entschleunigung stehen: als Auszeit vom Digitalen, als Erholung, als selbstbestimmte Aufmerksamkeit. In einer Zeit, in der Deepfakes, synthetische Stimmen und KI-generierte Inhalte Unsicherheit produzieren, kann das Buch als Medium des Vertrauens wirken: als Raum für geprüfte, verantwortungsvoll kuratierte Inhalte und eine fundierte Auseinandersetzung mit Themen. Dieses Vertrauen ist kein Automatismus. Es ist ein Versprechen. Und wir tragen Verantwortung dafür, dass es eingelöst wird.

Was wir jetzt brauchen ist Offenheit, Mut und Kreativität.

Kira Borchers

Ohne Autopilot

Das gilt auch im Umgang mit KI. Sie hat längst bewiesen, dass sie Abläufe beschleunigen, Routinen entlasten und Prozesse neu sortieren kann. Entscheidend ist die Haltung: bewusste, selbstreflektierte Anwendung statt Technikbegeisterung im Autopilot. Denn die Risiken sind real: Missbrauch, Qualitätsverlust, Homogenisierung. Schreiben, Übersetzen, Gestalten, Lektorieren – überall dort, wo Nuancen, Haltung und Originalität zählen, gewinnt das Menschliche an Gewicht. KI kann unterstützen. Sie darf nicht ersetzen, was den Kern ausmacht.

Was wir jetzt brauchen ist Offenheit, Mut und Kreativität. Offenheit, um Neues zu lernen. Mut, die eigene Stimme zu erheben – auch wenn sie aneckt. Kreativität, um Zielgruppen zu erreichen, Formate zu entwickeln und die eigene Rolle in der Branche aktiv zu definieren. 

Ist Disruption gefährlich? Ja, wenn wir glauben, wir könnten weitermachen wie bisher. Disruption bedeutet nicht nur Zerstörung, sondern Verschiebung: von Verhalten, Erwartungen, Macht. Für viele junge Menschen in der Branche liegt darin eine große Chance,  wenn wir sie nutzen. Wenn wir nicht warten, bis uns jemand Raum gibt, sondern ihn gestalten. Wenn wir nicht an Strukturen festhalten, nur weil sie vertraut sind. Wenn wir nicht nur Wege nachlaufen, sondern neue schaffen. Und wenn wir Ideen aussprechen, bevor sie perfekt sind. Die Frage ist also nicht, ob sich die Branche verändert. Die Frage ist: Wollen wir diese Veränderung treiben oder nur verwalten? Denn die Zukunft entsteht nicht irgendwann. Sie entsteht hier: in unseren Entscheidungen, unseren Gesprächen, unserem Mut.

Aufruf zur Bewerbung: Zukunftsparlament 2026

Du willst die Zukunft der Buchbranche nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten? Dann bewirb dich für das Zukunftsparlament 2026. An zwei Weiterbildungstagen kommen junge Menschen der Buchbranche zusammen, um Fachthemen zu diskutieren, in Workshops und Panels Ideen zu schärfen, bei Lesungen Impulse mitzunehmen und dabei wertvolle neue Kontakte zu knüpfen.

Das Zukunftsparlament findet am 19. und 20. Juli 2026 statt. Die Teilnahme ist komplett kostenlos – Reisekosten, Vollverpflegung und die Übernachtung am Mediacampus Frankfurt sind inklusive. Der Bewerbungsschluss ist am 31. Mai 2026. Bewerben können sich Auszubildende, Volontär:innen und Young Professionals aus der Buch- und Medienbranche sowie Studierende in einem buchnahen Studiengang. Für die Bewerbung reichst du einen Text in Form einer Rede oder eines Essays ein, in dem du deine Gedanken zum diesjährigen Motto "Disruption als Motor" darstellst – wir möchten deine Stimme hören. Weitere Leitfragen findest du auf der Webseite. Außerdem ergänzt du deinen Lebenslauf und füllst das Bewerbungsformular aus. Insgesamt können 80 Personen teilnehmen. Fragen zur Bewerbung beantwortet Andrea Cisnado Schultheis unter berufsbildung@boev.de.