Die 1972 in der Nähe selbstverwalteter Häuser in der Roten Straße in Göttingen gegründete Buchhandlung hat ihr Ladenlokal seit einigen Jahren im Nikolaikirchhof 7, der prägnante Name wurde der Bekanntheit wegen beibehalten. Markenzeichen ist ein pinkfarbener Pegasus der auch noch ein Einhorn hat - also dreimal einzigartig ist.
Der Buchladen pflegt ein Vollsortiment, ist Büchergilde-Partnerbuchhandlung und organisiert im Laden sowie anderen Veranstaltungsräumen Buchvorstellungen und Diskussionen. Kund:innen können beim Bücherkauf Solidaritäts-Gutscheine erwerben, die anderen Kund:innen zugute kommen. Mechthild Röttering, mit Sabrina Freyer Geschäftsführerin der GmbH und Mitglied des sechsköpfigen Buchladen-Kollektivs, beantwortet die Börsenblatt-Anfrage.
Wie sind die Reaktionen in Göttingen?
Wir sind sehr gerührt über die Solidaritätsbekundungen. Wir haben viele Besucher, sie kommen auch von außerhalb, zum Beispiel aus Lübeck. Etliche frühere Kund:innen haben die Nachrichten zum Anlass genommen, wieder mal vorbeizukommen.
Haben Sie einen solchen Ausnahmezustand schon mal erlebt?
Ich bin seit 25 Jahren Teil des Kollektivs, und eine solche Situation hatten wir noch nie. Es ist – was den Betrieb angeht – wie Weihnachten im Frühling.
Ihr Buchladen besteht seit 54 Jahren. Hatten Sie in dieser Zeit Konflikte mit staatlichen Behörden, die Sie auf die politisch linke Ausrichtung Ihres Sortiments zurückführen, oder die Kontakte in die linke Szene?
In den letzten 30 Jahren nicht, davor waren es quasi branchenübliche Auseinandersetzungen - vor allem gegenüber linken Buchhandlungen. Heute wird auf der Tourismus-Website von Göttingen wird unser Laden als einer der schönen Orte geführt, die man mal besuchen könnte …
In Leipzig soll der Buchhandel bei Empfängen und Partys gefeiert werden. Werden Sie hinfahren?
Nein, wir fahren nicht nach Leipzig. Wir möchten ohnehin etwas Abstand zu der vielen Aufmerksamkeit nehmen. Für unseren Laden ist die Aufmerksamkeit gut, aber unserem Team, uns als Menschen persönlich ist der Rummel eher unangenehm. Es geht ja nicht um uns. An unserem Laden zeigt sich nur das Problem: Wir wissen nicht, was der Verfassungsschutz gefunden hat, und wir werden es wohl auch nicht erfahren. So ist das Haber-Verfahren eben. Das hat aber eine tiefgreifende Verunsicherung (nicht nur bei uns) zur Folge.
Ich hoffe allerdings, dass der derzeitige Diskurs um den Wert des unabhängigen Buchhandels der ganzen Branche nützt. Ohnehin ist der Deutsche Buchhandlungspreis, und was er eigentlich würdigen will, in den letzten Tagen sehr viel bekannter geworden.