Der Artikel gibt vor, Geschlechterklischees zu hinterfragen – nur um sie anschließend selbst in Reinform zu reproduzieren. Männer "lesen anders“, Frauen "emotional“. Männer wollen Fakten und Action, Frauen Gefühle und Beziehungen. Pastellfarbene Cover würden Jungen von Literatur abschrecken, weil Lesen sonst zu "weiblich codiert“ sei. Ernsthaft? Damit wird genau die Logik gestützt, die man angeblich überwinden will: Gefühle gelten als weiblich, Weiblichkeit als Problem für Jungen.
Das ist kein Fortschritt, sondern 80er-Jahre-Genderdenken mit modernem Anstrich. Statt Jungen und Männern zuzutrauen, dass sie komplexe, emotionale, zwischenmenschliche Geschichten lesen können – und vielleicht sogar dringend sollten –, wird ihnen signalisiert: Keine Sorge, ihr müsst euch nicht verändern. Die Welt muss sich so umbauen, dass sie sich weiter wie ein Actiontrailer anfühlt. Das ist keine Leseförderung, das ist die kulturelle Verlängerung von "Jungs sind halt so“.
Ja, die Buchbranche folgt Trends. Ja, BookTok ist stark von Romance geprägt. Aber daraus abzuleiten, Männer würden sich vom Lesen abwenden, weil zu viele Frauen lesen oder Bücher "zu weiblich“ seien, ist eine absurde Verschiebung von Verantwortung. Millionen Frauen lesen seit Jahrzehnten Bücher von Männern, ohne dass ihr Geschlecht daran zerbricht.
Buchhandlung Schmidt, Schwäbisch Gmündf
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