Peter Schneider ist tot
"Eine Stimme, die unsere Zeit durchleuchtet hat", würdigt Kiepenheuer & Witsch den Schriftsteller Peter Schneider, der am 3. März im Alter von 85 Jahren gestorben ist.
Peter Schneider
"Eine Stimme, die unsere Zeit durchleuchtet hat", würdigt Kiepenheuer & Witsch den Schriftsteller Peter Schneider, der am 3. März im Alter von 85 Jahren gestorben ist.
Peter Schneider
Den Tod Schneiders hatte seine Familie mitgeteilt. "Der Verlag Kiepenheuer & Witsch trauert um einen seiner bedeutendsten Autoren und eine der prägenden intellektuellen Stimmen der Bundesrepublik", heißt es im Nachruf der Kölner. Er hinterlasse ein Werk, das wie kaum ein anderes die Brüche, Hoffnungen und Transformationen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentiere. Mit seiner Erzählung "Lenz" (1973) habe Schneider das Kultbuch einer ganzen Generation geschaffen und dem Lebensgefühl der 68er-Bewegung eine unvergleichliche literarische Form gegeben.
Als scharfsinniger Beobachter der geteilten Stadt sei ihm mit "Der Mauerspringer" (1982) eine prophetische Analyse gelungen, die mit dem Begriff der "Mauer im Kopf" weit über die Zeitgeschichte hinausreichte. Peter Schneider sei ein "unerschrockener Diagnostiker" gewesen, der in seinen Essays – zuletzt versammelt in "Denken mit dem eigenen Kopf" (2020) – stets den Mut zum eigenen Urteil über den Gruppengeist stellte.
Sein literarischer Bogen spannte sich von der politischen Rebellion über tiefgründige Familienrekonstruktionen wie "Die Lieben meiner Mutter" (2013) bis hin zu seinem im November 2025 erschienenen Roman "Die Frau an der Bushaltestelle". Dieses letzte Werk, das eine dramatische Dreiecksbeziehung im Spannungsfeld politischer Radikalisierung beleuchtet, führe uns noch einmal sein Vermächtnis als großer Erzähler vor Augen.
"Wir verlieren einen loyalen Freund, einen wachen Geist und einen großen Stilisten. Peter Schneider wurde 85 Jahre alt. Sein Werk wird bleiben", sagt Kerstin Gleba, Verlegerin Kiepenheuer & Witsch.