Interview zur Verschiebung von Börsenblatt Plus

Transparenz und Austausch

15. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

MVB hat den Start des neuen Abo-Modells für das Börsenblatt teilweise verschoben. Die Umstellung für Börsenvereins-Mitglieder erfolgt nun nicht wie angekündigt im August, sondern zum 01.12.2026. Meike Knops, Peter Kraus vom Cleff und Sebastian Guggolz über die Beweggründe für die Entscheidung. 

Screenshot Börsenblatt plus: viele Themen zur Auswahl 

Börsenblatt Plus: viele Themen zur Auswahl 

Warum soll "Börsenblatt Plus" ausgebaut und für alle kostenpflichtig werden?

Meike Knops: Die Umstellung des Abo-Modells dient nicht einer vermeintlichen Gewinnmaximierung, sondern der Verringerung eines deutlichen Defizits beim Börsenblatt, das MVB trägt. Grund dafür ist, dass unser bisheriges, anzeigenfinanziertes Modell für das Börsenblatt seine Grenzen erreicht hat. Die Anzeigenerlöse sind über die Jahre drastisch gesunken, während die Kosten gleichzeitig deutlich gestiegen sind. Eine Fortführung ist deshalb nur mit einer konsequent angewandten Paywall-Regelung möglich. Darüber hinaus werden wir uns auch weiterhin intensiv mit der Frage beschäftigen, wie wir die internen Kosten noch weiter reduzieren können, denn der Ausbau von "Börsenblatt Plus" allein wird nicht ausreichen. 

Warum hat MVB nun die Umstellung für Mitglieder des Börsenvereins jetzt um vier Monate verschoben?

Meike Knops: Wir haben auf die Ankündigung zum Start des neuen Abo-Modells zahlreiche Rückmeldungen aus der Branche erhalten. Die Umstellung betrifft die Mitglieder des Börsenvereins besonders, da zukünftig auch der erste "Börsenblatt Plus"-Zugang als eine wichtige und geschätzte Informationsquelle kostenpflichtig wird. An dieser Tatsache ändert auch der deutliche Mitgliederrabatt nichts. Die zusätzliche Zeit bis zum Start wollen wir nutzen, um Informationen zu liefern, in den Austausch zu gehen und Impulse aus der Mitgliedschaft aufzunehmen. 

Wie soll der Austausch zum neuen Abo-Modell in den kommenden Monaten konkret aussehen?

Peter Kraus vom Cleff: MVB und der Börsenverein als Herausgeber suchen den Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Verbandsgremien, um die wirtschaftlich notwenige Entscheidung transparenter zu machen und auch weitere Informationen zur Verfügung zu stellen, damit das Modell im Detail verstanden werden kann. Gleichzeitig soll so nochmals sichergestellt werden, dass wirklich alle denkbaren Optionen ausreichend durchgespielt wurden. 

Wenn es neue Impulse aus der Mitgliedschaft gibt, die sich positiv auf die Finanzierung auswirken, dann werden diese zusammen mit dem für unsere Wirtschaftsbetriebe zuständigen Aufsichtsrat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft (BBG) unter beratender Einbeziehung des Börsenvereinsvorstands geprüft. Auf der Hauptversammlung im November 2026 wird das neue Abo-Modell erläutert werden.  

Peter Kraus vom Cleff

Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer Börsenverein

Wenn es neue Impulse aus der Mitgliedschaft gibt, die sich positiv auf die Finanzierung auswirken, dann werden diese zusammen mit dem für unsere Wirtschaftsbetriebe zuständigen Aufsichtsrat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft (BBG) unter beratender Einbeziehung des Börsenvereinsvorstands geprüft.

Peter Kraus vom Cleff

In den Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft gibt es teilweise Unverständnis darüber, dass die Inhalte ihres Verbandsmagazins künftig nicht mehr kostenfrei zugänglich sein sollen...

Sebastian Guggolz: Dass unsere Mitglieder das Börsenblatt als ihr Magazin und als mit dem Börsenverein so eng verbunden ansehen, freut mich und kann ich verstehen. Das ist auch eine schöne Bestätigung für die Arbeit der Redaktion und des Teams. 

Das Börsenblatt ist aber viel mehr als ein reines Verbandsorgan, denn die Berichterstattung bleibt ja beileibe nicht nur auf die Aktivitäten des Verbands beschränkt. Es ist das einzige verbliebene redaktionelle Angebot, das die Entwicklung der gesamten Buchbranche in Deutschland und darüber hinaus begleitet, beschreibt und kommentiert. 

Ein Verband kann diesen Aufwand aus eigenen Mittel gar nicht leisten, zumal vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen, also auch schwindender Beitragseinnahmen. Deshalb ist das Börsenblatt unabhängig vom Verband bei MVB organisiert und muss sich wirtschaftlich eigenständig behaupten. Entgegen landläufiger Meinung – weil man bislang das gedruckte Heft automatisch mit der Mitgliedschaft frei Haus geschickt und auch einen kostenfreien Online-Zugang pro Mitgliedschaft bekommen hat – bezahlen unsere Mitglieder mit ihren Beiträgen allerdings nicht das Börsenblatt, sondern der Verband profitiert im Gegenteil von den geleisteten Lizenzzahlungen von MVB. Deshalb müssen wir alle, Verband wie Mitglieder, Interesse daran haben, dass das Börsenblatt sich wirtschaftlich auch weiterhin trägt.

Porträt von Sebastian Guggolz mit grünem Pulli vor grauem Hintergrund

Sebastian Guggolz, Vorsteher Börsenverein

Deshalb müssen wir alle, Verband wie Mitglieder, Interesse daran haben, dass das Börsenblatt sich wirtschaftlich auch weiterhin trägt.

Sebastian Guggolz

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Entscheidungswege. Muss so eine Veränderung nicht von den Mitgliedern des Verbands beschlossen werden?

Peter Kraus vom Cleff: Das Börsenblatt ist ein Angebot von MVB. Und auch wenn der Börsenverein der Herausgeber ist, gibt es keinen direkten Durchgriff auf den Verlag. Denn klugerweise wurden die wirtschaftlichen Aktivitäten des Verbands vor vielen Jahren in die Holding-Struktur der Börsenvereinsgruppe überführt. Damit hat der Börsenverein sichergestellt, dass wirtschaftlich notwendige Entscheidungen umsetzbar sind. Und genau ein solcher Fall liegt gerade vor. 

Gemäß der geltenden Entscheidungswege haben sich Gesellschafter und Aufsichtsrat gemeinsam mit der Geschäftsführung von MVB für die Umstellung auf das neue Abo-Modell entschieden. Um auch die Börsenvereinsgremien noch einmal umfassend abzuholen, dient jetzt die Verschiebung des Startzeitpunks. 

Wenn Sie es zusammenfassen, was verändert sich mit dem geplanten Modell für Mitglieder des Börsenvereins?

Meike Knops: Zukünftig wird der Zugriff auf die redaktionellen Online-Inhalte größtenteils für alle Nutzerinnen und Nutzer von boersenblatt.net kostenpflichtig sein. Das ist eine grundlegende Veränderung und ich verstehe, dass das für die Mitglieder keine gute Nachricht in unseren wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist. 

Allerdings ist es auch so, dass wir hier keine Kehrtwende machen, sondern einen Weg weitergehen, den wir schon vor längerer Zeit eingeschlagen haben. Denn es war bereits bisher nicht so, dass alle Mitarbeitenden eines Mitgliedsunternehmens kostenlosen Zugriff auf "Börsenblatt Plus" hatten. Die Regelung für den freien Zugang bezog sich auf das eine satzungsgemäß kostenfreie Print-Abo, zu dem wir als freiwillige Zusatzleistung einen personenbezogenen Zugang freigeschalten haben. Alle weiteren zusätzlichen Abos, ob print oder digital, waren und sind kostenpflichtig. Und zwar zum gleichen Preis, der zukünftig für alle digitalen Mitglieds-Abos gilt. Dieser ist im Vergleich zum Preis für Nicht-Mitglieder sehr deutlich reduziert. 

Mal ganz praktisch: Welche Inhalte sollen künftig im kostenpflichtigen Abo enthalten und welche weiterhin frei zugänglich sein?

Meike Knops: Mitteilungen des Börsenvereins, die wir unverändert veröffentlichen, sowie alle satzungsgemäßen Inhalte stehen weiterhin frei zugänglich online zur Verfügung und werden auch wie gewohnt kommentierbar sein. Dies gilt sowohl für Mitteilungen des Bundesverbandes als auch der Landesverbände. 

Wenn unsere Redaktion zusätzlichen Content erarbeitet, dann liegen diese Beiträge in Zukunft konsequent hinter der Bezahlschranke. Zum Beispiel steht die Meldung zum Deutschen Verlagspreis vom BKM vor der Paywall, das Interview mit einer Sprecherin des Ministeriums ist ein "Börsenblatt Plus"-Artikel.

Meike Knops

Meike Knops, CEO MVB

Mitteilungen des Börsenvereins, die wir unverändert veröffentlichen, sowie alle satzungsgemäßen Inhalte stehen weiterhin frei zugänglich online zur Verfügung und werden auch wie gewohnt kommentierbar sein. Dies gilt sowohl für Mitteilungen des Bundesverbandes als auch der Landesverbände.

Meike Knops

Überall in der Branche steigt der Kostendruck. Mitglieder fragen sich, wie sie immer neue Preissteigerungen wie die aktuelle stemmen sollen. Was antworten Sie diesen?

Sebastian Guggolz: Das kann ich voll und ganz nachvollziehen – und frage mich das selbst auch! Die Zeiten sind für die gesamte Branche herausfordernd. Die Lasten und Kosten scheinen einfach immer weiter zuzunehmen, umso wichtiger ist die Frage der Wirtschaftlichkeit, jeder Euro muss sinnvoll investiert werden. Die Unterstützung der Mitglieder, um den Kostendruck und überbordende bürokratische Anforderungen zu reduzieren und Antworten darauf zu finden, steht in unserer Vorstandsarbeit immer im Mittelpunkt. 

Sowohl Mitglieder als auch Verband und MVB sind dabei betroffen: Wir können uns nicht mehr alle Prozesse und Angebote, die es bislang gab, leisten. Fundierte Fachinformationen und Meldungen sind aus meiner Sicht unerlässlich – daher setzen wir alles daran, das Börsenblatt neben der reinen Funktion als Verbandsorgan weiterhin als modernes, starkes journalistisches Fachmedium zu erhalten. Das bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung, die sich aber, davon bin ich überzeugt, auf längere Sicht lohnen wird.