"Aus" nach über 70 Jahren

Verein Kinder- und Jugendmedien Zürich löst sich auf

3. Juli 2026
Redaktion Börsenblatt

Die Fördergelder wurden sukzessive gekürzt: Der Verein Kinder- und Jugendmedien Zürich (KJM Zürich) sieht daher keine Grundlage mehr für eine Weiterführung seiner Tätigkeit und löst sich zum Jahresende auf. Er führt unter anderem den Jugendbuchpreis "Bookstar" durch – den es jedoch weiter geben wird.

Die Mitgliederversammlung des Vereins Kinder- und Jugendmedien Zürich (KJM Zürich) hat am 30. Juni einstimmig beschlossen, den Verein zum 31. Dezember 2026 aufzulösen. Mit ihrem Entscheid folgte sie dem Antrag des Vorstands, der nicht mehr zur Wiederwahl antrat. Neue Vorstandsmitglieder stellten sich nicht zur Wahl, wie der Verein mitteilt. 

"Aus" nach über 70 Jahren

Der Verein Kinder- und Jugendmedien Zürich (KJM Zürich), dessen Wurzeln in das Jahr 1953 zurückreichen, setzte sich seit seiner Gründung mit vielfältigen Projekten und Initiativen für die Vermittlung von Literatur an Kinder und Jugendliche ein. Dadurch entwickelte sich KJM Zürich zu einem wichtigen Treffpunkt für Fachpersonen aus Bibliotheken, Bildung und Literatur. Mit dem Auflösungsentscheid endet die über 70-jährige Geschichte eines Vereins, der die Leseförderung in der Deutschschweiz über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt hat.

Neue Realitäten erfordern Konsequenzen

In den vergangenen Jahren hätten sich die Rahmenbedingungen jedoch grundlegend verändert, so der KJM. In einer Zeit, da die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen stetig abnehme, habe der Regierungsrat Zürich die Subventionen sukzessive gekürzt. Projekte wie das "Infomobil" und zuletzt das "KIM Lesemagazin" mussten deshalb aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Ohne die Vielfalt an Projekten fehlte dem Verein jedoch zunehmend die Grundlage für eine nachhaltige Weiterführung seiner Tätigkeit.

"Der Verein hat über viele Jahre hinweg wertvolle Arbeit geleistet und Generationen von Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Literatur eröffnet", sagt Eva Zwahlen, Präsidentin KJM Zürich. "Diese Wirkung bleibt – auch wenn der Verein sich nun auflöst. Umso dankbarer sind wir allen, die den Verein über die Jahre getragen, geprägt und begleitet haben."

Mit dem Ende von KJM Zürich ende ein Kapitel – nicht jedoch das Engagement für die Leseförderung. Dieses lebe in den Institutionen, Projekten und Menschen weiter, die der Verein über Jahrzehnte vernetzt und inspiriert hat. Für alle, die der Kinder- und Jugendliteratur verbunden sind und bleiben wollen, würden die anderen Deutschschweizer Regionalorganisationen von Kinder- und Jugendmedien gute Alternativen bieten.

KJM Zürich hinterlässt Spuren

Zu einer dieser "Spuren" zähle der Jugendbuchpreis Bookstar, der schon seit 18 Jahren junge Menschen im deutschsprachigen Raum der Schweiz für die aktuelle Jugendliteratur begeistert und zum Lesen motiviert. 

Da die Auflösung von KJM Zürich erst zum 31. Dezember erfolgt, werde der Bookstar 2026 wie geplant durchgeführt. Ab 2027 übernimmt die Regionalorganisation Kinder- und Jugendmedien Zentralschweiz die Federführung dieses speziell für Bibliotheken entwickelten Leseförderungsprojektes.

Hintergrund:

1952 wurde das Internationale Kuratorium für das Jugendbuch IBBY, eine mit UNESCO und UNICEF assoziierte Organisation, mit Sitz in der Schweiz gegründet. Eines der wichtigsten Ziele des IBBY ist, durch Kinder- und Jugendliteratur weltweit zu einem besseren Verständnis untereinander beizutragen. 1953 wurde in Zürich der Schweizerische Bund für Jugendliteratur (SBJ) als Schweizer Sektion des IBBY gegründet.

Im Jahr 1968 wurde das Schweizerische Jugendbuchinstitut (SJI) gegründet, mit dem Ziel, die Kinder- und Jugendliteratur zu erforschen und zu dokumentieren. Ende 2001 wurden die beiden Organisationen SBJ und SJI unter der Bezeichnung Kinder- und Jugendmedien Schweiz zusammengelegt.

Mitte Januar 1956 fand die Gründung der Kantonsgruppe Zürich des Schweizerischen Bunds für Jugendliteratur statt. Heute, nach der Zusammenlegung von SBJ und SJI, heißt die Zürcher Organisation: Kinder- und Jugendmedien Zürich.