Aus der Printausgabe BBL 26: Umfrage

Auf zur Messe!

30. Juni 2021
von Börsenblatt

Verleger Jo Lendle hat auf Facebook an die Kolleg*innen appelliert, unbedingt zur Buchmesse nach Frankfurt zu kommen. Auch viele Sortimenter*innen finden die Messe in diesem Jahr wichtiger denn je – und fahren hin. 

Re:connect: Von 20. bis 24. Oktober findet die Frankfurter Buchmesse statt. Fördermittel von "Neustart Kultur" gibt die Buchmesse an Austeller*innen weiter, sodass die Standpreise deutlich günstiger werden.

Christiane Schulz-Rother, Tegeler Bücherstube, Berlin

»Ich werde im Oktober nach Frankfurt fahren, weil der persönliche Austausch über die drei Sparten hinweg einfach durch nichts zu ersetzen ist. Bei Zoom-Meetings führt man keine inspirierenden Gespräche über den Tellerrand hinaus, aber gerade in offenen, zwanglosen Gesprächen kommt man oft erst auf neue Ideen. Und es gibt die schönen zufälligen Treffen an Ständen oder bei Veranstaltungen wie der Verleihung des Gütesiegels Buchkindergarten: Das ist nicht vorher geplant, aber dann stößt man auf unbekannte Menschen, es entstehen tolle Gespräche und daraus neue Beziehungen. Das ist Buchmesse!«

Anton Neugirg, Bücher Pustet, Regensburg

»Unsere ganze Branche braucht die Frankfurter Buchmesse als Auftakt für das entscheidende vierte Quartal. Ohne die mediale Aufmerksamkeit, die nur eine Präsenzmesse bietet, fehlt uns allen – Buchhandel und Verlagen – der nötige Rückenwind für die entscheidenden Monate. Unterstützen wir die Buchmesse durch unsere Teilnahme, wenn das Pandemiegeschehen es erlaubt, sonst werden wir unseren zukünftigen Kolleginnen und Kollegen eventuell nur noch erzählen, wie einzigartig diese Messe war.«

Anton Neugirg

Irene Nehen, Buchhandlung Melchers, Bremen

Irene Nehen

»Ich fahre auf jeden Fall nach Frankfurt und freue mich auf das Zusammentreffen mit so vielen Menschen aus Buchhandel und Verlagen. Endlich! Für mich lebt die Buchmesse unter anderem von vielen zufälligen Begegnungen und Gesprächen. Aber auch wir Kolleg*innen der IG Unabhängiges Sortiment werden uns dann das erste Mal seit Januar 2020 wieder live sehen. Und wenn alle sich in den kommenden Monaten ›vernünftig‹ verhalten, können wir im schönsten Fall alle unsere Masken in der Tasche lassen. So oder so: Ich freue mich auf den Oktober.«.

Doris Müller-Höreth, Buchhandlung Pelzner, Nürnberg

»Mir geht es nicht so sehr ums Einkaufen, sondern um die Kontakte auf der Messe: Verlage am Stand besuchen und Kollegen treffen, das ist ja nicht nur Arbeit, sondern eine intensive Art, an Informationen zu kommen, zu diskutieren, sich darüber auszutauschen, die Bücher von neuen Verlagen zu entdecken. Ich will dem Zufall einen Raum lassen. Da treffen sich Leute, und es entsteht im Gespräch eine Veranstaltung meiner Buchhandlung oder gleich eine ganze Reihe. Deswegen bin ich ein ›Messejunkie‹ und Netzwerker und werde nach Frankfurt kommen.«

Iris Hunscheid, Buchhandlung Hoffmann, Achim

Iris Hunscheid

»Ehrlich gesagt: Ich hungere danach, Menschen wieder ›in echt‹ zu treffen, meine geschätzten Branchenkolleg*innen zu sehen, mit ihnen zu reden, zu lachen. Sicher
werden die Veranstaltungen nicht genauso sein können wie 2019, es wird Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen geben müssen – aber ich möchte auch länger als nur eine Zoom-Konferenz lang Dinge besprechen können. Zoom – das ist eher ein Abarbeiten, während bei einem abendlichen Bier die Ideen sprudeln.«

Heinrich Riethmüller, Osiander, Tübingen

»Die Frankfurter Buchmesse ist das wichtigste Branchentreffen und zugleich ein Marketing­zeichen: Sie bringt das Buch ins Gespräch und ist dadurch für uns Sortimenter eine ideale Öffentlichkeitsarbeit. Sämtliche Medien berichten über die Buchmesse – das erzeugt eine Nachfrage und bringt spürbar Kunden in die Buchhandlung. Dass sie jetzt wieder stattfindet, setzt auch ein klares Zeichen nach der Pandemie. Ich habe mein Hotelzimmer in Frankfurt gerade gebucht und werde hinfahren.«

Heinrich Riethmüller

Sabeth Vilmar, Kunst-Buch Kollwitzplatz, Berlin

Sabeth Vilmar

»Diese Messe ist der Dreh und Angelpunkt für die gesamte deutsche Buchhandelsbranche und in so vieler Hinsicht ein Lebenselixier für die Buchhändler*innen – wir wollen und können nicht noch ein Jahr darauf verzichten. Gerade weil die Messe im Herbst historisch neu gestaltet werden wird, sollten wir gemeinsam die Chancen nutzen, die sie bietet: So viel haben wir gestemmt, alles spricht für den Austausch mit den Verleger*innen über die unterschiedlichen Erfahrungen im anderthalbjährigen Lockdown, über die neuen Programme, den neuen Sachbuchpreis, die extreme neue Konzentration im Buchhandel und das Selbstverständnis der Unabhängigen, über das Lesungs­programm für die Zukunft, das Kennenlernen von Schriftsteller*innen an den Ständen, das herrlich anregende Plaudern mit den Kolleg*innen über unsere Zukunft generell. Ich bin auf jeden Fall dabei und weiß von vielen mehr.«

Anne v. Bestenbostel, Bücher von Bestenbostel, Nordenham

»Ich will von Donnerstag bis Samstag zur Messe fahren. Mit den Verlagen und Barsortimenten mache ich noch Termine aus. Seit zwei Jahren habe ich kaum Vertreter gesehen, auch die Vertreterbörse war nur digital. Da merkt man irgendwann, dass einem die Zwischentöne und ›Nebenbei-Infos‹ fehlen. Dann freue ich mich auf die Verleihung des Jugendliteraturpreises am Freitagabend, das ist eine wunderbare Veranstaltung! Und ich hoffe, dass sich Verlage auch kleine Come-together am Abend einfallen lassen: Die Branche lebt nun mal vom Austausch.« 

Anne v. Bestenbostel

Jo Lendle, Hanser Verlag, München

Jo Lendle

»Liebe Mitstreiterinnen in den Verlagen: Die Frankfurter Buchmesse steht vor der Tür. Dort sollten wir sie nicht stehen lassen. Bitten wir sie herein, sie braucht in diesem Ausnahmejahr unsere Unterstützung. Eine Buchmesse ist weit mehr als die Ansammlung einzelner Bücher. Als Ganzes erzeugt sie eine Bewegung, die stärker ist als die Summe von uns Einzelnen. Ich will mir keine Welt und keine Zukunft ausmalen, in der es Buchmessen nicht mehr gibt. Daher die Einladung (und die Bitte): Stellt Bedenken, Zweifel, Kurzvorteile zurück, kommt meinetwegen mit kleinerer Besetzung, mietet Systemstände, knabbert Kekse statt Krabben, freut euch eher aufs Publikum als auf die große weite Welt. Diese Messe wird nicht sein, wie wir sie in Erinnerung hatten. Aber sie muss stattfinden, damit uns am Ende nicht nur Erinnerung bleibt.«