"Die Scham muss die Seite wechseln": Mit diesen Worten veränderte Gisèle Pelicot 2024 die Welt. Sie verzichtete im Prozess gegen ihren Ehemann und 50 weitere Männer, die der sexuellen Übergriffe gegen sie beschuldigt wurden, auf das Recht auf Anonymität – löste so weltweit eine außergewöhnliche Resonanz aus. Das "Time Magazine" wählte sie zur bedeutendsten Frau des Jahres 2024. Am 19. Dezember 2024 wurde ihr Mann Dominique Pelicot wegen schwerer Vergewaltigung schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt, die Höchststrafe.
Ihre Autobiografie "Et la joie de vivre", die Pelicot zusammen mit der Journalistin und Schriftstellerin Judith Perrignon geschrieben hat, ist am 17. Februar neben der französischen in 20 internationalen Ausgaben erschienen – in Deutschland bei Piper unter dem Titel "Eine Hymne an das Leben" (Ü: Patricia Klobusiczky). Damit steigt Pelicot direkt auf Platz 1 beim Sachbuch Hardcover ein.
Es ist das Buch des Frühjahrs, löste eine beeindruckende Medienresonanz aus, die bis in die "tagesschau" (ARD) reichte. Ihr Buch sei keine Abrechnung und auch keine Heldinnengeschichte, hieß es dort: "Es ist die berührende Bilanz einer Frau, die in sich die Kraft gefunden hat, die Scham zu überwinden, Gerechtigkeit einzufordern und sich aus den Ruinen ihres Lebens neu zu erfinden." Pelicot gelinge es, "all jenes Unsagbare in oft poetischer Sprache zum Ausdruck zu bringen", so die "taz".
"Meine große Hoffnung ist, dass Gisèle Pelicot und auch ihre Tochter erreichen, dass Opfer sexueller Gewalt sich nicht alleine fühlen, schweigen oder sich schuldig machen lassen müssen", sagt Übersetzerin Patricia Klobusiczky im Gespräch mit dem NDR.